Gräbersegnung - Wortgottesfeier am Friedhof - 01.11.2026

Allerheiligen-Nachmittag 2026 – Ansprache bei der Gräbersegnung
An Tagen wie diesen ist tatsächlich alles Botschaft. Da kann alles ein Wort Gottes an uns und für uns sein. Drei Botschaften möchte ich ansprechen:
1.
Das Erste ist der Ort, an dem wir uns befinden – der Friedhof: Der Ort ist ein Appell. Dieser Ort hier ist eine Bitte. Er ist ein Impuls: Wo, wenn nicht hier, geht es um Frieden, um Frieden und um Versöhnung! Wo, wenn nicht hier auf unserem Friedhof spüren wir, dass Frieden und Versöhnung ein Geschenk sind. Dass Frieden und Versöhnung aber genauso eine Herausforderung sind. Ich denke an die Worte, die ein sterbender Bauer zu mir als damals noch jungen Kaplan gesagt hat. Worte, die er mir bei der Krankensalbung mitgegeben hat für das Begräbnis: „Sagen Sie den Leuten, dass ich im Frieden bin. Bitten Sie die Leute in meinem Namen um Vergebung – und sagen sie ihnen, dass auch ich allen vergeben habe!“ Der Friedhof ist ein Appell, ist eine Bitte um Frieden und Versöhnung. Das ist seine Botschaft. Das war auch die Botschaft der Lesung, die wir gehört haben. Geben wir hier Frieden und Versöhnung einen konkreten Ort!
2.
Meine zweite Botschaft stammt vom Heiligen des Jahres: Heuer vor genau 800 Jahren ist Franz von Assisi gestorben! Sein Sterben ist genauso ein Vermächtnis wie der Sonnengesang, den er fast gänzlich erblindet gedichtet und gesungen hat. Der Sonnengesang, in dem er den Tod als „Bruder“ willkommen heißt. Franziskus war damals 44 Jahre alt – aber er war völlig fertig und am Ende seiner Kräfte. Er hat sich nackt auf die Erde legen lassen. Seine letzten Worte sind zum Vermächtnis geworden: „Ich habe das Meine getan. Was ihr tun sollt, das wird euch Christus lehren!“ Was für ein souveränes und bescheidenes Resümee: „Ich habe das Meine getan!“ Und dann der demütige Hinweis auf den Größeren – auf Christus: „Was ihr tun sollt, das wir euch Christus lehren!“
Bei aller Ehre und Verehrung: Es geht nicht darum, Franziskus nachzufolgen, sondern Christus! Auf Christus schauen. Auf Christus hören. Ihm gilt es nachzufolgen. Schon 1200 Jahre vor Franziskus hat es unser Pfarrpatron der Täufer Johannes ähnlich gesagt: Nicht ich, sondern Christus soll wachsen und groß werden!
3.
Die dritte Botschaft können Sie mit nach Hause nehmen - eine Karte, die an den Ein- und Ausgängen aufliegt. Eine Karte zum Mitnehmen! Es ist eine Grußkarte der steirischen katholischen Kirche für Allerheiligen und für das Loslassen von Verstorbenen: Auf dieser Karte gibt es den Hinweis auf diverse Trauerangebote der Kirche und auf die hilfreiche App „Stiller Begleiter“. Ein Segen für helle und dunkle Tage ist auch darauf zu finden. Die Botschaft der Karte lautet: Die Liebe bleibt – auch die Liebe zu den Verstorbenen bleibt! Als Christen drücken wir diese Liebe gerne mit einem Gebet aus. Ganz in diesem Sinn sprechen wir nun die Fürbitten. Amen!
Pfarrer Edi Muhrer