26. Sonntag A - 27.09.2026 - Michaelisonntag - Festtag hl. Vinzenz v. Paul

Predigt am 26. Sonntag im Jahreskreis A 2026-09-27/Sonntag der Völker/Michaeli-Sonntag/Gedenktag des hl. Vinzenz von Paul
1.
Mit der Weltkirche feiern wir heute den Sonntag der Völker. In Zeiten der Gastarbeiter war das früher der sog. „Ausländer-Sonntag“. Sonntag der Völker – das ist ein Signal! Das ist eine Botschaft der Kirche an die Welt. Das ist Ausdruck der Dankbarkeit, dass unsere Kirche eine Weltkirche ist. Wir merken das inzwischen in unserer Ortskirche, weil bereits 40 % der Priester in der Steiermark aus dem Ausland kommen. Wir merken es nicht zuletzt ganz oben in der kirchlichen Hierarchie: denken wir bloß daran, dass P. Franziskus nach seinen eigenen Worten „vom Ende der Welt“ gekommen ist; das gilt für P. Leo nicht weniger. Wir feiern in Dankbarkeit den Sonntag der Völker. Wir feiern, dass unsere Kirche Gottes Volk ist aus vielen Völkern, eine Familie mit Menschen aus allen Ecken und Enden der Erde, eine weltweite Bewegung aus verschiedenen Völkern, Sprachen und Kulturen. Gut, dass das so ist. Gott sei Dank, dass das so ist!
2.
In Feldkirchen feiern wir diesen Sonntag traditionell als sog. Michaeli-Sonntag mit der Ortsgruppe des ÖKB in unserer Mitte. Der hl. Erzengel Michael ist einer der schillerndsten und vielfältigsten Schutz-Patrone. Weil er nach dem Zeugnis der Bibel die himmlischen Heerscharen anführt, weil er als Bezwinger des Teufels und dessen Heerschar den guten Kampf gekämpft hat – darum ist Michael der Patron von Berufen, die mit Schutz und Gefahren zu tun haben, mit Kampf und Gerechtigkeit: Besonders zuständig ist er u. a. für Soldaten, Polizisten, Bankangestellte, Funktechniker, Bäcker, Apotheker und natürlich für die Sterbenden. Er gilt als Schutzherr der katholischen Kirche, des Volkes Israel und von Deutschland – der berühmte „Deutsche Michel“.
Sein Name ist Omen und Botschaft zugleich: Michael heißt übersetzt: „Wer ist wie Gott?“
In der Orthodoxie hat er in vielen Kirche und auf den Ikonen einen herausragenden Platz. In unserer Frömmigkeit feiert seine Verehrung mit dem aktuellen Engel-Boom ein großartiges Comeback: „Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“ Das hat vor über 400 Jahren Shakespeare geschrieben. Er lässt es den Prinzen von Dänemark sagen. Hamlet sagt zu seinem Freund Horatio tief betroffen diese Worte, nachdem sie dem Geist seines verstorbenen Vaters begegnet sind: „Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“
So ist es. Darauf bauen wir. Das ist uns bewusst, wenn wir die Eucharistie feiern – wir feiern sie immer zusammen mit allen Vollendeten, mit allen Engeln und Heiligen...
Wir können darauf bauen, dass Michael und die ganze Heerschar der Engel da sind, um uns zu behüten und zu begleiten auf allen unseren Wegen. Viele Gebete und Segenssprüche drücken das aus: „Heiliger Michael! Geh vor mir her und zeig mir den Weg. Geh hinter mir. Halt mir den Rücken frei und beschütze mich. Geh neben mir und steh zu mir, damit ich mutig meinen Weg gehe.“
3.
Wir feiern in Feldkirchen den Gedenktag des hl. Vinzenz von Paul. Im Direktorium der Diözese steht: „Das Gedenken des hl. Vinzenz von Paul ist in diesem Jahr nachgereiht.“ Ohne uns! Nicht bei uns in Feldkirchen! Der Patron der Armen ist ja der Namensgeber einer Pfarre in Graz. Er ist der Schutzpatron unserer Vinzenz-Gemeinschaft und der vielfältigen VinziWerke. Worte aus seinem Mund - ermutigende und herausfordernde Worte - werden wir nach der Kommunion als Meditation hören. In der Predigt verweise ich bloß auf sein berühmtes „Liebe sei Tat!“ – Darum geht es: dass Liebe konkret wird; dass Liebe Hand und Fuß bekommt; dass Liebe ein Gesicht und einen Namen hat – unsere Namen, unsere Gesichter, unsere Hände und Füße. Vor diesem Hintergrund trägt die Zeitschrift der Vinzenz-Gemeinschaft den treffenden Titel: „Menschendienst ist Gottesdienst“. Das hat der hl. Vinzenz von Paul vorgelebt. Das praktiziert unsere pfarrliche Vinzenz-Gemeinschaft Tag für Tag – egal ob das beim Befüllen des Fair-Teilers geschieht, bei der sozialen Sprechstunde, bei einem Hausbesuch, durch die Schulstartbeihilfe, durch den Heizkostenzuschuss oder eine andere Unterstützung…
Liebe Mitglieder unserer Vinzenz-Gemeinschaft! Danke für eure wichtigen und vielfältigen Dienste im Geist des hl. Vinzenz! Amen.
Pfarrer Edi Muhrer