5. Outdoor-Gottesdienst - 12.08.2026 - Heimgarten Feldkirchen

Predigt beim Outdoor Gottesdienst im Feldkirchner Heimgarten am Mittwoch, 12. August 2026, 19:00 Uhr/Gesang: Lena&Joana
Ach ja, das Paradies, der Garten Eden, der Paradieses-Garten: was für ein schönes, stimmiges Bild für den wunderbaren Anfang des Lebens, für das geglückte Miteinander vom Schöpfer mit allen seinen Geschöpfen… Ach ja! Der Seufzer klingt nach Heimweh, auch der Name Heim-Garten klingt danach. Der Garten, jeder Garten, auch unser Feldkirchner Heimgarten - ein Sehnsuchtsort, ein Ziel, ein Lebe-Ort. Den Himmel, das Paradies, den Ursprung aber genauso das Ziel allen Lebens verbinden wir nicht zufällig mit dem Bild-Wort vom Garten…
Die Vertreibung aus dem Paradies – Kain bekommt ein eigenes Segenszeichen auf die Stirn, das berühmte Kains-Mal. Adam und Eva müssen nicht nackt und unbekleidet aus dem Paradies, sie werden zu ihrem Schutz davor noch extra eingekleidet…
Aber die Sehnsucht bleibt, das Heimweh, die Sehnsucht nach dem früheren Daheim…
Diese Sehnsucht drückt sich auch in dem Gedanken aus, dass der Mensch aus dem Paradies drei Dinge mitbekommen hat: die Sterne für die Nacht, die Blumen für den Tag und Kinder, Kinderaugen. (Manche sagen, dass wir diesen Gedanken dem italischen Dichter Dante verdanken, andere sprechen sie dem deutschen Dichter Rückert zu. Ganz egal.) Für mich werden da geglückt drei Dinge angesprochen, die uns faszinieren, die unser Leben bereichern und beglücken: die Sterne am Nachthimmel, die Vielfalt der Blumen und die Kinder mit ihren so faszinierenden Augen!
1. Wann wenn nicht heute und in diesen Nächten geht unser Blick nach oben zu den Sternen und zu einem wunderbaren Schauspiel der Natur: Nach der partiellen Sonnenfinsternis in wenigen Minuten gibt es in der Nacht dann das Spektakel der Sternschnuppen! Rund um den Festtag des hl. Laurentius kann bei passendem Wetter der berühmteste aller periodischen Meteor-Schauer bewundert werden: aus dem Sternbild des Perseus scheinen die Sternschnuppen zu kommen; sie werden daher die Perseiden genannt.
Mir gefällt freilich die kirchliche Redensweise viel besser – wir sprechen da von den sog. „Tränen des hl. Laurentius“: die vielen Sternschnuppen in diesen Tagen erinnern an das Martyrium des hl. Laurentius am 10. August 258 in Rom, an den „Tränenstrom“ den der Heilige auf dem Rost vergossen hat. (Ende August werden wir dann an die Tränen der hl. Mutter Monika erinnert, die sie für die Bekehrung ihres Sohnes Augustinus vergossen hat…)
Mich bewegt es, dass den größten aller deutschen Philosophen zwei Dinge immer neu und immer mehr berührt haben: „der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ (Kritik der praktischen Vernunft, 1788) – also der Nachthimmel mit den Sternen über uns und die Stimme des Gewissens in uns. Ich lege einfach noch ein weiteres Wort eines Staunenden dazu. Der Maler Vincent van Gogh sagt: „Ich weiß nichts mit Sicherheit, aber der Anblick der Sterne lässt mich träumen.“
2. Das Zweite - die Blumen – mit all ihrer Pracht, mit all ihrer Buntheit und Vielfalt, einfach herrlich, schön und immer wieder faszinierend!
Gott sei Dank für die Blumen und die Kräuter! In ihnen zeigt sich unser blauer Planet von seiner besten Seite. Martin Luther hat die Blumen als „das Lächeln Gottes“ bezeichnet.
Ich war 14 Jahre Pfarrer im Ausseerland mit dem berühmten Blumenfest im Frühling - dem Narzissenfest. Was woanders vielleicht und berechtigt die Rose ist, das ist dort die Narzisse. Eines der schönsten Worte über die Narzisse verdanken wir dem Sufismus, manche sagen sogar, dass es direkt vom Propheten Mohammed stammt: „Wer zwei Brote hat, verkaufe eines und kaufe sich Narzissenblüten dafür; denn Brot ist nur dem Körper Nahrung, die Narzisse aber nährt die Seele.“ Viele denken da wohl automatisch an Rilke und an die Blume, die er in Paris einer Bettlerin geschenkt hat. Mehrere Tage hat sie offensichtlich von dieser Blume gelebt und musste nicht betteln.
„Es muss nicht immer Kaviar sein“ würde Johannes Maria Simmel sagen. In diesem Roman aus dem Jahr 1960 sagt Simmel, dass für den Menschen manchmal eine Rose wichtiger sein kann als ein Stück Brot… - das Zweite aus dem Paradies: die Blumen!
3. Ein Drittes aus dem Paradies: Kinder, Kinderaugen! Sie faszinieren, weil sie uns so groß erscheinen. Weil sie uns regelrecht anstrahlen wie die Sterne. Weil sie uns auch im Leid und mit ihren Tränen entwaffnen und berühren. Kinder, Kinderaugen, sind zu einer wichtigen Metapher für das Paradies geworden, auch für das verlorene Paradies…
Denken wir an Jesus, der mehrfach ein Kind vom Rand in die Mitte gestellt hat, der Kinder zum Mittelpunkt seiner Predigten und prophetischen Zeichen gemacht hat: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder… Wer so klein sein kann, wie dieses Kind…“
Barbara Frischmuth hat dem dritten Buch ihrer „Demeter-Trilogie“ den sprechenden Titel gegeben: „Einander Kind“ (1990).
Einander Kind sein, einander Kind werden – das ist ein Programm, das ist ein Dauerauftrag! Es geht um Fürsorge - ohne Wenn und Aber, bedingungslos und gegenseitig. Es geht um Empathie zwischen Erwachsenen über die traditionelle Familie hinaus und erst recht über Generationen, Religionen und Kulturen hinweg. Als wäre der jeweils Andere ich selbst, als wäre die jeweils Andere das eigene Kind. – Einander Kind sein!
„Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran!“
Exupéry, der das gesagt hat, dreht im „Kleinen Prinzen“ den Spieß um. Da ist der Kleine Prinz über die Phantasielosigkeit der Erwachsenen schon ziemlich genervt und verzweifelt. Stöhnend sagt er: „Die Kinder müssen mit den Erwachsenen sehr viel Nachsicht haben.“
Da haben wir’s. Kinder sind etwas Besonderes und großartig. Sie sind oft und gerne für Überraschungen gut. Gut so! Und damit aber auch: Amen!
