4. Outdoor-Gottesdienst - 05.08.2026 - ComeBäckerei Koller

Predigt beim Outdoor Gottesdienst im Gastgarten der Bäckerei Koller zu den „drei irdischen Sternen“ – Brot, Wort, Umarmung
Oben, da leuchten die Sterne – unten, da leuchten wir!
Was für eine großartige Botschaft aus dem Mund der Kinder zum Fest des hl. Martin: Oben am Nacht-Himmel leuchten die Sterne, herunten, zu ebener Erd‘, da leuchten wir!
Die Sterne faszinieren Groß und Klein, immer wieder. Von den Sternen geht eine besondere Kraft aus. Sie haben etwas Faszinierendes.
Auch die Bibel belegt das! Ich erinnere an den Segen für Abram, der später dann zum Abraham wurde, zum Vater aller Glaubenden: So zahlreich wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meer werden deine Nachkommen sein… Die Sterne oben, die Kinder Abrahams herunten – ein Segenszeichen!
Erst recht sind die Sterne im Neuen Testament ein Zeichen, ein Segenszeichen, ein Orientierungszeichen – am meisten natürlich der Stern von Bethlehem. Er führt die Sterndeuter, d. h. die Suchenden aus allen Religionen und Kulturen direkt zur Krippe, zum Kind in der Krippe! Weil sie dem Zeichen am Himmel vertrauten, weil sie an die Sterne glaubten, darum haben sie den Weg zum Christkind gefunden!
Immer wieder gibt es diese faszinierende Verbindung zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde, zwischen den Sternen und den Menschen: Oben, da leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir!
Seit vielen Jahren begleitet mich ein Sternen-Wort der Dichterin Rose Ausländer: In einem Text, der vor genau 50 Jahren veröffentlicht worden ist, spricht sie von „unseren irdischen Sternen – Brot, Wort und Umarmung“! Nicht das Sensationelle, nicht das Außergewöhnliche, nein, das ganz Einfache und täglich Notwendige, das bringt das nötige Licht in unser Leben!
Rose Ausländerin verwendet bewusst das Wort „unser“ – so ähnlich wie beim Vater „unser“. Dieses „Unser“ schafft Verbindung, schafft Gemeinschaft. Es gilt für alle gleich, für Reich und Arm, für Jung und Alt. Mich wundert es gar nicht, dass auch sie hier auf drei Sterne kommt, die im Leben wichtig sind, die jeder Mensch braucht:
BROT, der erste der drei irdischen Sterne: Brot steht für das Leben, für eines unserer Grundbedürfnisse, für die Existenzbasis, die jeder Mensch braucht! Wir sprechen ja auch vom Brotberuf und bitten um das „tägliche Brot“.
Gott ist Brot geworden, gutes Brot: denken wir an das Manna in der Wüste, das das Gottesvolk Israel vor dem Hungertod bewahrt hat; denken wir an Jesus, das lebendige Brot; denken wir an die Eucharistie, an die Wandlung von Brot in den Leib Christi, an das Brotbrechen vor der Kommunion, an das Teilen und Austeilen der hl. Kommunion; denken wir an Jesu Wort vom letzten Sonntag: „Gebt ihr ihnen zu essen!“
Ein Befreiungstheologe und Bischof hat es einmal so gesagt: „Wer Vater Unser sagt, der muss auch Brot Unser sagen!“ Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben. Oder wie es bei uns schon die Kinder im Pfarrkindergarten so gerne und so stimmig singen: „Wer teilt, der wird froh – das ist einfach so!“
Brot lädt zum Teilen ein…
WORT – ein zweiter irdischer Stern, ein zweites Lebens- und Überlebensmittel des Menschen. Wir wissen wie wichtig das Wort ist. Wir wissen aber auch wie ohnmächtig das Wort sein kann. Wie kann uns ein gutes Wort aufbauen, trösten, Hoffnung und neue Kraft geben. Wie kann uns ein böses Wort niederschmettern, die Freude verderben, entmutigen und resignieren lassen.
Wenn mir jemand sein Wort gibt, dann muss ich mich darauf verlassen können. Das gilt wohl ganz besonders bei der Hochzeit: Da dreht sich alles letztlich nur um ein Wort. Da wartet die ganze Hochzeitsgesellschaft nur darauf, dass die zwei JA sagen, JA zueinander sagen – ohne Wenn und Aber, in guten und in schlechten Zeiten…
Bei jeder Hochzeit erleben wir, dass das kleinste Wort zugleich das größte Wort ist. Dieses bedingungslose JA von Braut und Bräutigam erinnert an die bedingungslose Liebe Gottes! Genau dafür sind die Eheleute mit ihrem Ja-Wort ein Sakrament, ein starkes Zeichen. Der Mensch lebt vom Brot, er lebt aber auch vom Wort – vom Wort Gottes und vom Wort lieber Menschen!
UMARMUNG – der dritte unserer drei irdischen Sterne: Umarmung steht für Nähe, für Zärtlichkeit, für herzliche Verbundenheit, für Nicht-allein-sein. Umarmung ist aber auch ein Zeichen für Versöhnung, für Frieden, für die Bereitschaft zu vergeben und einen Neubeginn zu ermöglichen.
Von der Bibel her, v. a. von Jesus her, liegt da die Latte für gläubige Christen sehr sehr hoch:
Petrus fragt einmal eher so nebenher: Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt hat – 7 mal? Jesu Antwort: Nein, 7 x 70 mal – und das täglich und das von ganzem Herzen!
Wunderbar der Appell des hl. Paulus im Epheserbrief 4,26: „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen!“
D. h.: spätestens am Abend, beim Schlafengehen – versöhne dich mit deinem Bruder, deiner Schwester, deinen Eltern, deiner Frau, deinem Mann, deinen Kindern… Lass doch die Sonne nicht über deinem Zorn untergehen!
Einmal mehr ist es auch das Vater Unser, das die Richtung vorgibt. Wir beten da mit dem griechischen Original: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir schon vergeben haben, jenen, die an uns schuldig geworden sind.“
Sich umarmen, einander in die Arme nehmen, den ersten Schritt zur Versöhnung tun – Umarmung, ein immer wieder notwendiger irdischer Stern, ein Leitstern von Tag zu Tag.
Oben, da leuchten die Sterne, herunten, da leuchten wir - wenn wir uns auf „unsere irdischen Sterne“ einlassen: Sie zeigen uns was, wichtig ist und war wirklich zählt – Brot, Wort und Umarmung!
Amen.







