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Predigten

18. Sonntag A - 02.08.2026 - "Kommt - Geht - Gebt"

Hungrige Menschen gab es auch zur Zeit Jesu und in seiner Nähe. Jesus hat seine Jünger nicht gelehrt, Brot zu vermehren, wohl aber, für das vorhandene zu danken und es denen weiterzugeben, die Hunger haben. Das Problem des Hungers ist nicht nur ein Problem der Produktion. Es ist zuerst eine Frage des Austeilens: nicht nur Fremdes zu verteilen, sondern Eigenes herzugeben.

Brotvermehrung, Egbert Codex um 990 nC | W. Nyssen / hans perstling

Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis A 2026-08-02/Pfarrfest in Gratkorn

So ein Pfarrfest wie heute und dazu diese Texte – da muss ganz einfach etwas über die Kirche gesagt werden, über den Sinn von Pfarren, über unser Christsein in der Nachfolge Christi!

Ein Bibel-Wissenschaftler hat einmal gesagt: „Eigentlich lässt sich das Evangelium Christi mit zwei Worten zusammenfassen: „Kommt!“ und „Geht!“ – Ich füge dem heute dann noch ein drittes Wort hinzu: „Gebt!“

Kommt, geht und gebt – das ist ein guter und echt biblischer Dreiklang. Er gliedert heute meine Predigt.

1. Kommt!
In der Lesung hat der Prophet Jesaja dieses Wort in Gottes Namen gleich dreimal hintereinander gesagt: „Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt…kommt und kauft ohne Geld…!“ Immer wieder hat Jesus dieses Wort gesagt und damit eingeladen: Kommt und seht. Kommt alle zu mir! Kommt und folgt mir nach!

Für die Kirche ist das zum Erbe und zum Auftrag geworden: sie soll eine einladende Kirche sein! Sie soll die Menschen in Gottes Namen rufen. Sie soll die Menschen und Nationen in Jesu Namen einen und versammeln. Kirche ist Einladung. Einladung, das ist schöner anderer Name für Kirche. Ein Pfarrfest ist ein starkes Zeichen für eine einladende Kirche.

2. Das „Kommt!“ muss aber gleich ergänzt werden mit dem zweiten Wort: „Geht!“
Ein Markenzeichen der Kirche von Anfang an ist das Gehen, das Miteinander-Gehen in Jesu Namen – Kirche ist ein Weg, ist eine Bewegung und Weggemeinschaft. Dazu gibt es die Pfarren – dass nur ja niemand allein sein muss. Die Pfarren sind ein Netz der Achtsamkeit und der Aufmerksamkeit, damit niemand durch das Netz fällt.

Kein Wunder, dass am Ende jeder hl. Messe dieses zweite Wort steht: „Gehet hin in Frieden!“ Geht, ihr seid gesendet! Geht, dass ist eure Mission – gehen und dem Frieden dienen!

Als Feiernde, als Pfarre, als Kirche haben wir alle diesen Auftrag: Geht! Geht zu den Leuten! Geht dorthin, wo die Menschen leben! Das ist unsere Sendung als Pfarre und als Kirche: Dass wir nicht nur eine „Komm-her-Kirche“ sind, sondern dass wir auch eine „Geh-hin-Kirche“ sind! Dass wir bei den Leuten sind (wie es Bischof Weber gerne und oft gesagt hat). Dass wir solidarisch mit ihnen sind. Dass wir Freud und Leid mit ihnen teilen, ihre Ängste genauso wie ihre Hoffnungen…

Wir gehen vom Leben der Menschen aus! – so steht es im Zukunftsbild unserer Diözese. So lautet auch die erste von den acht strategischen Richtungsaussagen aus dem Jahr 2025: Wir gehen im Sinn des Evangeliums vom Leben der Menschen aus!

2018 hat die steirische katholische Kirche bei der 800-Jahr-Feier ihren Weg in die Zukunft unter das Motto gestellt: „Wer glaubt, ist nie allein!“ Das ist ein Evangelium für uns selbst und zugleich ein Evangelium, das wir verkünden und bezeugen sollen. Auf Neudeutsch und mit einer bekannten Hymne gesprochen: „You’ll never walk alone!“ Dazu gibt es uns! Dazu gibt es die Kirche und die Pfarren – dass niemand vergessen oder übersehen wird, dass niemand allein sein muss…

3. Die beiden Jesus-Worte „Kommt!“ und „Geht!“ will ich heute mit einem dritten kurzen Wort ergänzen – mit dem Wort „Gebt!“

Mit den Worten Jesu im heutigen Sonntags-Evangelium gesprochen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

Was für eine Zumutung! Was für eine Chance und Herausforderung! Geben, was wir haben. Teilen, was wir haben.

Damals waren es „fünf Brote und zwei Fische“ – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Teilen und geben, was wir haben – und wir werden staunen und uns wundern. Das Wunder der Brotvermehrung ist keine Geschichte von damals, von „in jener Zeit“. Nein. Es ist genauso eine Geschichte von heute – heute kann sich dieses Wunder des Teilens, das Wunder der Brotvermehrung ereignen! Gott sei Dank und den Menschen sei Dank, die daran glauben, die geben und teilen!

Wenn der langjährige Pfarrer von Fernitz und Kalsdorf jetzt für ein Jahr nach Tanzania gegangen ist, dann gibt er dort, was er hat. Er teilt es mit den Menschen, die ihm seit Jahren ans Herz gewachsen sind.

Wenn wir heute/in diesem Monat die Caritas-August-Sammlung durchführen – dann geben wir etwas von dem, was wir haben. Mit Gottes Hilfe vertrauen wir auf das Wunder des Teilens, auf das Wunder der Brotvermehrung. Wenn schon die Kinder in unserem Pfarrkindergarten in Feldkirchen so gerne und mit Überzeugung singen: „Wer teilt, der wird froh – das ist einfach so!“ – dann spiegelt das genau das wider, was im Evangelium geschehen ist mit den „fünf Broten und zwei Fischen“.

Egal, ob wir viel oder wenig haben – es ist wichtig, dass wir wissen: Jede und jeder hat etwas! Das gilt es zu schätzen. Das ist ein Schatz. Wir dürfen nur nicht zu klein von uns und unseren Möglichkeiten denken. Erst recht dürfen wir nie zu klein von Gott denken – und von seinen Möglichkeiten alles noch so Kleine zu segnen, es wachsen zu lassen, es groß werden zu lassen… Statt der biblischen „fünf Brote und zwei Fische“ haben wir vielleicht die Zeit für einen längst fälligen Anruf, für ein Danke, für ein freundliches Lächeln, für ein offenes Ohr oder für ein stilles Gebet...

Herr, wandle du in Segen - was immer wir haben, was immer wir geben und teilen. Überrasche uns, so wie du die Menschen damals überrascht hast. Jesus, sei uns Jesus! Amen.

Pfarrer Edi Muhrer

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  • Thema: UNSERE 3 IRDISCHEN STERNE
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