3. Outdoor-Gottesdienst - 29.07.2026 - Skulpturenpark

Predigt beim Outdoor Gottesdienst im österreichischen Skulpturenpark zum Thema: „Die 3 in der Kunst“
„Du musst es dreimal sagen!“
Die Zahl 3 ist auch in der Kunst eine wichtige Zahl, ganz besonders in der christlichen Kunst. Sie gilt als heilige Zahl. Sie steht für das Göttliche und die Harmonie:
Drei Punkte bilden ein Dreieck. Das Dreieck wiederum gilt als eine der schönsten und stabilsten Formen, ever! Vielen fällt da wohl automatisch das berühmte Dreieck ein mit dem Auge in der Mitte – eines der bekanntesten Zeichen für Gott, für seine Gegenwart, für seine Sorge um uns und um alle seine Geschöpfe.
In der Predigt lege ich den Schwerpunkt auf die Zahl 3 in der christlichen Kunst. Zuvor aber ein Blick auf die allgemeine Kunst und Kunstgeschichte: Da sind viele Werke nach dem Prinzip der Dreiteilung aufgebaut. Ein sog. Triptychon kann eine Geschichte in drei Szenen erzählen – was war, was ist, was kommen wird; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; Anfang, Mitte und Ende von etwas.
In der profanen Kunstgeschichte spricht man von der drei Schönheiten der Antike und vom Urteil des Paris: der Arme musste eine Entscheidung treffen, wer denn die allerschönste und attraktivste Frau auf der Götter Erdboden sei: Ist es Hera und damit die politische Macht? Oder ist es Athene und damit die geistige Macht? Oder ist es Aphrodite und damit die Macht der Schönheit und der Liebe? Da kannst du als Mann nur verlieren, wenn du so wie Paris deine Entscheidung triffst… Er hat sich für die Schönheit und die Liebe entschieden. Prompt hat er sich damit den Hass und die Eifersucht von Hera und Athene eingehandelt…
Damit sind wir schon bei den Schicksals-Göttinnen des Altertums – Klotho, Lachesis und Atropos. Sie haben den Lebensfaden der Menschen in der Hand: Kloto spinnt den Lebensfaden, Lachesis misst ihn und Atropos schneidet ihn ab! Geburt, Leben und Tod – alles ist in ihrer Hand, alles ist Schicksal - und die drei Schicksalsgöttinnen verfügen darüber…
Hier, ganz in der Nähe von Graz, muss ich natürlich auf die drei Grazien der Antike hinweisen – Aglaia, Euphrosyne und Thalia:
Die drei Grazien stehen für Anmut, Schönheit und Freude am Leben. Kein Wunder, dass viele große Künstler die drei Grazien gemalt bzw. dargestellt haben – z. B. Raffael, Botticelli und Rubens! Kein Wunder, dass Graz und seine Grazien bis heute bekannt und weltberühmt sind😉!
Ein gewisses Pendant dazu bilden die drei Genies der Hochrenaissance – Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael.
Man spricht von drei Hauptgattungen der Kunst – Architektur, Bildhauerei (sie ist hier im Skulpturenpark der Schwerpunkt!) und Malerei. Man teilt die Epochen der Kunstgeschichte meist in drei Phasen ein – Frühzeit, Höhepunkt und Spätzeit.
Damit lasse ich es mit der Zahl 3 in der profanen Kunst bleiben. Ich komme zur sakralen Kunst. Ich widme mich nun der christlichen Kunst – in ihr und in der Bibel kommt die Zahl drei besonders oft vor!
Glaube bedeutet ja v. a. Beziehung!
Genau dafür steht die drei: Einer allein bleibt allein. Zwei können sich gegenüberstehen. Die Drei eröffnet einen Raum – Vater, Sohn, Hl. Geist, Liebe, die nicht selbstverliebt bei sich bleibt, sondern Liebe, die sich mitteilt, die spricht und sich verschenkt.
Für mich ist es der sog. Gnadenstuhl, der diese Dreieinsheit von Vater, Sohn und Hl. Geist am stimmigsten ausdrückt: Der Vater hält den Sohn. Er zeigt ihn und das Kreuz aller Welt. Der Geist, d. h. die Liebe schwebt in der Mitte…
Auch die Ikone von der Gastfreundschaft drückt diese Harmonie und Zuneigung wunderbar aus: der biblische Hintergrund ist die Erzählung vom Besuch der drei Männer bzw. der drei Engel bei Abram und Sara. Die beiden werden im hohen Alter noch Eltern werden…
Der Besuch der drei Sterndeuter – ihre drei königlichen Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe haben aus ihnen bald drei Könige gemacht. Die Künstler haben sie jung, erwachsen und alt dargestellt, d. h. alle drei Generationen kommen zur Krippe. Oder sie haben sie mit den drei damals bekannten Hautfarben dargestellt - weiß, gelb und schwarz. Damit stehen sie für alle drei damals bekannten Kontinente: durch sie kommt die ganze Welt zur Krippe im Stall von Bethlehem!
Dann gibt es natürlich die vielen Kreuzigungsbilder - mit Maria und Johannes und Jesus in der Mitte oder mit den drei Kreuzen von Golgotha. Hier im Skulpturenpark dem Weg hierher sind wir an drei ganz schlichten Holzkreuzen vorbeigegangen. Niemand Geringerer als Yoko Ono hat sie 2005 geschaffen!
Die drei Personen der hl. Familie – Jesus, Maria und Josef. Die bei uns so beliebten Darstellungen der „Anna selbdritt“ mit der mütterlichen hl. Anna, mit Maria als Teenager und mit dem Jesuskind als Baby. Die drei Versuchungen Jesu in der Wüste. Die drei Jünger am Tabor – ein ganz beliebtes Ikonen-Motiv. Die drei Jünger im Garten Getsemani – Petrus, Jakobus und Johannes: Die Drei werden auch die „Säulen der Urkirche“ genannt. Die drei Marien, die zu Ostern zum Grab Jesu eilen…
Lust, but not least: die drei göttlichen Tugenden!
Glaube, Hoffnung und Liebe! Manchmal werden diese drei als Frauen dargestellt, oft aber mit ihren Zeichen: das Kreuz steht dann für den Glauben, der Anker für die Hoffnung und das Herz für die Liebe.
Unüberbietbar schön und stimmig steht dahinter ein Wort aus dem Hohelied der Liebe vom Apostel Paulus: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe!“
Dem ist von mir her nichts mehr hinzufügen – nur noch das längst fällige „Amen“!
