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Predigten

10. Sonntag Jk A - 07.06.2026

"Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.
Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!
Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder."

(aus dem heutigen Sonntagsevangelium Mt 9, 12-13)

Ohne diese Barmherzigkeit, ohne die Liebe, die dem anderen Gutes will und Gutes tut, ist unser ganzer Gottesdienst nichts wert.

Die Berufung des Ap. Matthäus. Carravaggio 1600 nC | © picture-alliance

Predigt am 10. Sonntag im Jahreskreis A 2026-06-07

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht…ist wie ein Stern in der Dunkelheit“ haben wir am Anfang gesungen. Ich denke auch an den herrlichen Vers im Psalm 119,105 in diesem großen Loblied auf das Wort Gottes: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade!“ Kein Wunder, dass wir Jesus als das Licht der Welt verehren und dass wir von ihm erleuchtet berufen sind, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.

1. Auf eine ganz besondere Licht-Gestalt hat Paulus im Römerbrief verwiesen: Abraham – ursprünglich hat er ja Abram geheißen. Dann aber - durch Gottes Gnade und Gottes Segen – ist aus Abram Abraham geworden, der Vater der Menge, der Vater der Vielen.

Juden, Christen und Muslime verehren ihn als ihren Vater im Glauben, denn Abraham steht wie kaum ein Zweiter für alles, was zum Glauben dazu gehört. Paulus hat es wunderbar ausgedrückt mit dem Satz: „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt!“ Was für eine Behauptung, was für ein starkes Wort: „Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt!“

Deswegen wird er zurecht in allen drei monotheistischen Religionen als „Vater der Glaubenden“ verehrt. Deswegen sprechen wir heute davon, dass Juden, Christen und Muslime „eins in Abraham“ sind, dass wir in ihm eine alle drei Weltreligionen einigende Person haben. Deswegen ist Abraham eine so besondere Licht-Gestalt für alle, die an einen Gott glauben.

2. Im Evangelium ist das Licht auf einen Dunkel-Mann gefallen, auf Matthäus, den Jesus von seinen wohl oft recht dunklen Geschäften als Zöllner wegholt, den Jesus mitten im Alltag, mitten in der Arbeit in seine Nachfolge ruft: „Folge mir nach!“

Solche Zöllner wie Matthäus waren ja gleich mehrfach verhasst und verachtet: Den Juden als Blutsauger, als Verräter und als Kollaborateure mit den verhassten Römern. Den Römern einfach deswegen, weil sie Juden waren. Auf einen von diesen fällt plötzlich das Licht, der Lichtkegel der Gnade Gottes.

Herrlich, wie das der Künstler Caravaggio vor über 400 Jahren dargestellt hat. Wie Gott Vater beim Schöpfungs-Akt den Finger nach Adam ausstreckt, so zeigt Jesus in diesem Bild auf Matthäus. Ja, die Berufung ist so etwas wie eine Neuschöpfung, wie eine zweite Geburt. Das Bild „Die Berufung des Mätthäus“ war übrigens das erklärte Lieblingsbild von P. Franziskus in Rom. Das Ölgemälde ist in der Kirche San Luigi die Francesi zu sehen. Sowohl das Sonntagsblatt als auch die Kärntner Kirchenzeitung weisen an diesem Sonntag darauf hin.

Out of the dark, into the light – vom Dunkel ins Licht: so könnte man die Berufung des Matthäus auch überschreiben!

3. Zum Schluss der Predigt weise ich noch auf ein besonderes Licht-Wort im heutigen Evangelium hin, auf ein Wort, das in der ganzen Bibel von zentraler Bedeutung ist: Erbarmen! Wörtlich hat Jesus gesagt: „Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“

P. Franziskus war dieses Wort so wichtig, dass er 2015 ein außerordentliches Hl. Jahr ausgerufen hat, ein „Jahr der Barmherzigkeit“!

In der hebräischen Bibel stehen dafür die Wörter „rachamim“ und „racham“. Damit ist das Innerste gemeint, die Eingeweide, der Mutterschoß. Vom Herzen her, vom Innersten her, ist Erbarmen und Barmherzigkeit unser Auftrag, unsere Hausaufgabe, die es zu lernen gilt Tag für Tag.

Es sollte uns helfen und motivieren, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der barmherzig ist, der „reich an Erbarmen“ ist. Durch seinen Sohn hat er uns berufen, Gehende und Lernende zu sein – gerade auch in Sachen Barmherzigkeit und Erbarmen. Darum noch einmal dieses Jesus-Wort, das er uns auch als Haus-Aufgabe in die neue Woche mitgibt: „Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“

So möge es sein. Amen.

Pfarrer Edi Muhrer

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