Fronleichnam - Hochfest des Leibes und Blutes Christi - am 04.06.2026

Predigt am Fronleichnamstag 2026 – 06 – 04
Die Zusammenschau ist wichtig - der Blick für das Ganze und auf das Ganze. Das macht unseren Glauben besonders und herausfordernd!
Eine Zusammenschau der besonderen Art haben wir heuer beim Hochamt zu Pfingsten erleben dürfen: Dank der Erwachsenentaufe von Lisa Steiner konnten die Mitfeiernden erleben, dass die drei Initiationssakramente Taufe, Firmung und Erstkommunion zusammengehören.
Oder wenn wir an die Karwoche zurückdenken, dann wird Ostern wie ein Gottesdienst gefeiert – vom Gründonnerstag bis zur Osternacht: die Feier der drei österlichen Tage vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi ist eigentlich nur ein einziger Gottesdienst, der eben aufgeteilt auf drei Tage gefeiert wird.
So etwas Ähnliches erleben wir gerade im Kirchenjahr jetzt: Wir feiern drei Feste, die alle drei zum Osterfest gehören. Die alle drei zu den drei österlichen Tagen gehören. Die wir aber wegen der Karwoche, der Leidenswoche, nicht mit der ihnen gebührenden Freude und Festlichkeit begehen konnten. Diese drei sog. „Ideenfeste“ werden jetzt nachgeholt. Sie werden jetzt nachgefeiert mit Fronleichnam in der Mitte, mit dem Dreifaltigkeits-Sonntag am Anfang und mit dem Herz-Jesu-Fest, dem großen Herz-Jesu-Freitag am 12. Juni als Abschluss. Einmal mehr spüren wir, dass in der Liturgie alles gut überlegt und fein aufeinander abgestimmt ist.
1. Den Anfang des Festreigens hat der Dreifaltigkeits-Sonntag gemacht. Heuer bei uns mit der Erstkommunion und mit der 2tägigen Fuß-Wallfahrt nach Mariazell. Geistlich sind wir damit zurückgegangen in die Feier der Osternacht, zur Tauferinnerung und Tauferneuerung. Alle guten Dinge beginnen in der Kirche bekanntlich mit der Taufe – mit der Taufe auf den Namen Gottes, mit der Taufe also auf den Vater, den Sohn und den Hl. Geist. So schön unsere Namen und Vornamen alle sind, getauft worden sind wir aber nicht auf uns, nicht auf unsere Namen, sondern auf den Namen Gottes. Damit sind wir Gott geweiht worden. Sein Eigentum sind wird, wie es auch in einem bekannten Lied gut zum Ausdruck kommt: „Herr, ich bin dein Eigentum…!“ Wir kommen alle von weiter her als von unseren Eltern. Wir alle sind Kinder Gottes, seine Töchter und Söhne. Das Fest der Dreifaltigkeit erinnert uns an unsere Herkunft und an unsere Zukunft. Denn: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“ Und: „Unruhig ist unser Herz, o Gott, bis es einmal Ruhe findet in dir!“
2. Die Mitte des Festreigens ist heute, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Fronleichnam. Es ist nur stimmig, dass dieses Fest in der Mitte steht. Wir gehen heute geistlich zurück zum Gründonnerstag, ins Obergemach, zur Feier der Fußwaschung und des Letzten Abendmahls. Die Eucharistie ist Gabe Seiner Hingabe. Jesus, der Christus, ist es, der uns als unser Gastgeber beschenkt - am Tisch des Wortes, am Tisch des Brotes, durch die Gemeinschaft mit ihm und untereinander, durch diese hl. Kommunion. In der Mitte katholischer Frömmigkeit steht die Dankbarkeit, steht also die Eucharistie. Dafür steht unsere Kirche. Das feiern, bekennen und bezeugen wird heute – jetzt in der Kirche herinnen und anschließend auch draußen mit der Prozession.
3. Der krönende Abschluss des Dreier-Festreigens ist das Herz-Jesu-Fest. Mein Pfarrer-Kollege Wolfgang Schwarz wird es heuer am 12. Juni, am Großen-Herz-Jesu-Freitag, beim Hochamt um 08:00 Uhr hier feiern. Ich bin ja zu der Zeit auf Pfarrreise in Nordpolen – so leid es mich freut 😉! Zum Herz-Jesu-Fest gehen wir zurück zum Karfreitag, gehen wir hinaus vor die Tore der Stadt Jerusalem, gehen wir hinauf auf den Kalvarienberg: Keiner hat eine größere Liebe als wer sein Leben hingibt! Jesus hat uns mit dieser Liebe geliebt – getragen und bestärkt durch die Liebe seines „Abbas“, seines Vaters, getragen und bestärkt durch die Liebe des Hl. Geistes, des „mitliebend -mitgeliebten Dritten“, wie es Hugo von St. Viktor so schön gesagt hat. Gott ist Liebe!
Eines der schönsten Jesus-Bücher, das je geschrieben worden ist, trägt den Titel „Das Herz der Welt“ (Hans Urs von Balthasar). Jesus war der authentische Kunde und der treue Zeuge dieser Liebe. Sein Herz ist offen für alle. Auch seine ausgebreiteten Arme am Kreuz sind noch einmal ein starkes Zeichen dafür. Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen. Gib, dass wir deine Liebe nicht ohne Antwort lassen. Amen.
Pfarrer Edi Muhrer

