Bitttage in Wagnitz, Forst und Waldsiedlung/ESV Forst Thalerhof

Bitt-Mittwoch 2026 - 05 - 14/Predigt bei der Kapelle Waldsiedlung zum Thema: Maria, die Knotenlöserin/Gedanken zum Altarbild der Dorfkapelle Tregist von Prof. Franz Weiß
Musik: Maipfeiferl
Heuer sind es genau 40 Jahre seit der Katastrophe von Tschernobyl. Aus diesem Anlass möchte ich die heutige Marienpredigt am Gedenktag „Unserer Lieben Frau von Fatima“ unter das Thema „Maria, Knotenlöserin“ stellen und dabei auf die steirische Variante eingehen, die wir als Bildchen in den Händen halten:
Wir haben ein wunderschönes Marienbild vor uns, das Prof. Franz Weiß für die Tregister Dorfkapelle als Altarbild gemalt hat. Und auf der Rückseite haben wir ein Mariengebet abgedruckt, dass in Anlehnung an ein Gebet von Kardinal Bergoglio formuliert ist. Aus dem Kardinal ist später Papst Franziskus geworden, der im Vorjahr verstorben ist.
Als junger Jesuit hat er bei seinem Studium in Deutschland das herrliche Gnadenbild „Maria Knotenlöserin“ von St. Peter am Perlach in Augsburg entdeckt. Er hat davon von der Künstlerin Ana Betta de Berti mehrere Originalkopien anfertigen lassen und damit ganz wesentlich zur Verehrung der Gottesmutter beigetragen, zur Verehrung Mariens als Knotenlöserin. Etwas Ähnliches ist ja bereits im 16. Jh. durch Lukas Cranach geschehen, der zwei Originale mit dem Motiv „Maria hilf“ gemacht hat. Ein Original ist in Innsbruck und eines in Passau.
Das Original von „Maria Knotenlöserin“ hat ein erfahrener Seelsorger für die Kirche St. Peter in Augsburg in Auftrag gegeben. Es ist um 1700 in einem Maler-Atelier entstanden. Es ist dann lange im Haus einer Familie gewesen und kam dann in ein Frauenkloster. Zum Schluss ist es wieder an seinen Ursprungsort zurückgekehrt - in die Wallfahrtskirche St. Peter…
Die steirische Variante der Knotenlöserin Maria ist 1986 entstanden – damals ganz unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Tschernobyl! Beim linken Fuß der Gottesmutter, im ganz dunklen Bereich des Knotenbandes ist „Tschernobyl“ zu lesen – und dahinter sieht man ein Atomkraftwerk und einen rauchenden Schlot, ein starkes Symbol für die Gefahren der Umweltverschmutzung und –zerstörung, ein starkes Zeichen dafür, wie gefährdet unser Leben und das Leben aller Geschöpfe ist. Dieses Werk von Prof. Franz Weiß gehört zu seinen Hauptwerken und hat ihn auch weltweit bekannt gemacht.
Ich möchte jetzt noch 3 Gedanken sagen, die mir beim Blick auf diese Darstellung der Knotenlöserin Maria kommen:
1. Maria ist besorgt! Sie ist konzentriert. Sie hat alle Hände voll zu tun. Das war 1986 so mit der Katastrophe von Tschernobyl. Das ist heute noch mehr so. Denken wir an die Kriegsschauplätze in der Welt. Denken wir an die verzweifelten Aktionen der Klimaschützer:innen. Denken wir an die Extreme, die immer häufiger in der Natur zu beobachten sind. Mutter Erde schwitzt. Dort und da rächt sich die Natur bereits… Maria ist besorgt und konzentriert. Wenn wir in ihr Gesicht schauen, wenn wir auf ihre Hände schauen, dann spüren wir diese volle Konzentration, diese 100prozentige Aufmerksamkeit der Gottesmutter. Wir spüren, dass Maria weiß, was zu tun ist. Sie weiß um die Knoten im Leben. Sie weiß um unsere Sorgen und Ängste. Sie ist ja „die Frau aus dem Volke“. Ihr ist nichts Menschliches fremd.
2. Ein Zweites: Maria ist ganz im Licht! Wunderbar, wie das Licht von oben auf sie fällt, wie die Sonne hinter ihr steht, strahlt und brennt, wie der Mond ihr zu Füßen liegt und was für ein Kranz von Sternen sie umgibt. Maria ist die Begnadete. Sie ist voll der Gnade, voll im Lichtkegel Gottes und seiner Geschöpfe. Maria ist einfach die Lichtgestalt des Glaubens, die Lichtgestalt, auf die alle Menschen blicken sollen, blicken dürfen. Zurecht fällt alles Licht von oben auf Maria, die hl. Knotenlöserin… Vgl. Passionsspiele: Licht auf Jesus – Wende in der Passionsnacht am Ölberg!
3. Drittens: Maria löst – sie löst Knoten um Knoten. So wie wir beim Rosenkranz von Perle zu Perle gleiten, so löst sie Knoten um Knoten. Knoten sind ja ein vielfältiges und starkes Zeichen: Sie stehen für die Probleme des Menschen und der Menschheit. Knoten stehen für den sprichwörtlichen Knödel im Hals, der uns die Kehle zuschnürt. Sie stehen für die Angst vor dem Knoten in der Brust der Frau, für Situationen, die wie verhext und nicht zu lösen erscheinen. Wichtig ist dabei auch der andere Umgang mit den Knoten durch die Frau Maria: Alexander der Große hat den berühmten gordischen Knoten mit seinem Schwert, d. h. mit roher Gewalt gelöst. Maria löst die Knoten auf alternative, weibliche Weise und ohne jede Gewalt. Step by stepp wird ein Knoten nach dem anderen gelöst. Bewundernswert ihre Geduld, bewundernswert aber auch ihre Konzentration, ihre Bereitschaft zu helfen und eine Knotenlöserin zu sein. Möge sie es für uns alle so sein. Amen.
Abschließendes gemeinsames Gebet
So beten wir nun gemeinsam das Gebet, das wir auf der Rückseite des Bildes vom damaligen Kardinal Bergoglio finden:
Heilige Maria, Mutter Gottes, du bist ganz erfüllt von der Gegenwart Gottes. In deinem Leben hast du den Willen des Vaters angenommen. Durch Gott konnte das Böse dich nie mit seinen Verwirrungen umgarnen. Bei deinem Sohn bist du schon damals eingetreten für uns. Heilige Maria, Vorbild im Glauben, mit aller Einfachheit und Geduld hast du uns ein Beispiel gegeben, wie wir die verwickelten Dinge unseres Lebens entwirren können. Vertrauensvoll legen wir wie du die Knoten, die uns fesseln, vor Gott.
Heilige Maria, du Begnadete, auf deine Fürsprache hin befreie uns Gott aus allen Verstrickungen, die uns hindern, Gott in allen Dingen zu begegnen und in Liebe unseren Schwestern und Brüdern zu dienen. Mit Hoffnung und Vertrauen wagen wir mit Gott neu anzufangen. Amen.
Bitt-Dienstag 2026 – 05 – 12/Predigt beim 2. Bitttag-Gottesdienst bei der Kapelle in Forst zu den sog. EISHEILIGEN -
Musik: Werner Gosch, Saxophon und Volksgesang
In der Predigt möchte ich heute die sog. EISHEILIGEN zum Thema machen. Profan gesprochen handelt es sich bei den Eisheiligen um eine sog. Singularität – d. h. ein Wetter-Ereignis, das mit ziemlicher Wahrscheinlich-keit einmal im Jahr auftritt. Wir denken da auch an das berühmte Weihnachts-Tauwetter oder an die sog. Schafskälte im Juni.
Im Kalender der Kirche stehen die sog. Eisheiligen vom 12. – 15. Mai, wobei sie in Norddeutschland schon am 11. Mai starten mit dem hl. Mamertus. Dieser Bischof von Vienne hat die Bitt-Gottesdienste vor dem Fest Christi Himmelfahrt neu geordnet – und das, bitte, schon im 5. Jh.!
Er hat die bisher üblichen Litaneien neu geordnet und zur Abwehr von Erdbeben und anderen Heimsuchungen die sog. Bitt-Gänge an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt eingeführt.
Heute – am 12. Mai – gedenken wir des hl. Pankratius: aus dem Griechischen übersetzt bedeutet der Name „der alles Beherrschende“. Er war ein frühchristlicher römischer Märtyrer. Mit 14 Jahren soll er bereits für seinen Glauben an Christus getötet worden sein. Seine Verehrung ist in Rom gut bezeugt. Bereits um 500 ist über seinem Grab an der via Aurelia in Rom eine Kirche errichtet worden. Kaiser Arnulf von Kärnten hat am 12. Mai 896 Rom erobert und diesen Erfolg der Fürsprache des hl. Pankratius zugeschrieben. So wurde er bei uns zu einem sehr populären Heiligen.
Morgen – am 13. Mai – feiert die Kirche den hl. Servatius: aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet sein Name: „der Errettete“. Servatius war ab 345 Bischof von Tongern im heutigen Belgien. Dort und in Maastricht hat er Marienkirchen erbaut. Servatius wird v. a. in Westeuropa - am Rhein und an der Mosel - verehrt.
Am 14. Mai steht Bonifatius von Tarsus im Kalender der Kirche – nicht zu verwechseln mit dem viel später geborenen hl. Bonifatius, dem Apostel Deutschlands. Der frühchristliche in Rom geborene Märtyrer ist um 306 in der Geburtsstadt des hl. Paulus getötet worden – durch siedendes Pech. Sein Leichnam wurde in Rom an der Via Latina beigesetzt. Bonifatius heißt übersetzt „der Wohltäter“. Eine der Bauernregeln lautet so: „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost!“
Den krönenden Abschluss bildet die sog. „kalte Sophie“ – Sophia heißt „Weisheit“. Dahinter steht eine hl. römische Jungfrau, die wohl um 304 den Martertod erlitten hat. Sie wurde auf dem berühmten Coemeterium der Hl. Gordianus und Epimachus bestattet. Reliquien von ihr gibt es in Rom – in der Kirche San Martino ai Monti und im Frauenkloster Eschau im Elsass.
Für mich ist diese Verbindung zwischen Glauben und Wetter, zwischen den Eisheiligen und der Natur ein Appell „wetterfest“ zu sein – und zu wissen, dass wir alle, unsere Zeit, unsere Welt und auch das Wetter in Gottes Hand sind. In diesem Vertrauen sprechen wir jetzt die Fürbitten!
Bitt-Montag 2026 – 05 – 11/bei der Kapelle in Wagnitz/BITTEN
In der Predigt möchte ich heute bloß auf ein einziges Wort eingehen, es es ein Grundwort der Bibel, es ist das Wort, dass diesen Tagen jetzt im Kirchenjahr den Namen gibt, das Wort "bitten":
Bitten: Dieses Wort drängt sich geradezu auf – von der Situation des Weltgeschehens und auch vom Kirchenjahr her: Wir stehen vor der sog. Pfingstnovene.
Außerdem kommt wieder eine Quatemberwoche, das ist eine von 4 besonderen Bitt-Wochen, die es im Lauf des Kirchenjahres gibt. Jede dieser Quatemberwochen ist von einer speziellen Bitte um eine geistliche Erneuerung in der Kirche geprägt: Beim Pfingstquatember geht es um das Gebet um die Gaben des Hl. Geistes: Der Tradition nach gibt es ja sieben besondere Geistesgaben: Im Anschluss an eine berühmte Stelle in der Schriftrolle des Propheten Jesaja bittet die Kirche seit Jahrhunderten rund um Pfingsten um die Geistesgaben Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfrucht.
Es ist für mich schon interessant, dass das spezifische christliche Gebet nicht das Lob- oder das Dankgebet ist, sondern das Bittgebet: Wir brauchen da nur an das Testament Jesu, an seine Bitte um die Einheit in Joh 17. Oder denken wir daran, dass auch das Vater unser ein Bittgebet ist. Das Vater Unser ist konkret ein Gebet mit 5 bzw. 7 Bitten, je nach dem Evangelium. Das Gebet des Herrn steht damit ganz in der Tradition des jüdischen Betens - wir brauchen da nur an das berühmte 18-Bitten-Gebet im Judentum zu denken.
Wenn sich nun jemand von uns ganz konkret fragt, wie wir denn in rechter Weise beten und damit bitten sollen, dann rate ich einfach: Schaut auf das Beispiel Jesu, auf das Beispiel großer Heiliger und auf das Beispiel großer geistlicher Meister!
Jesus selbst hat uns im Ev einen Freund vor Augen gestellt, der um Mitternacht bei einem Freund anklopft und um Brot bittet, weil er Gäste bekommen hat. Also: bei jeder Tages- und Nachtzeit dürfen wir bei Gott anklopfen, dürfen wir ruhig auch lästig fallen mit unseren Bitten. Wir haben Jesus und sein Wort: bittet, dann wird euch gegeben, sucht, ihr werdet finden, klopft an – es wird euch aufgemacht!
V. a. aber hat Jesus am Ölberg ein Beispiel fürs Bitten gegeben: In der Nacht vor seinem Leiden und Sterben hat er ein großartiges Bittgebet im Schweiße seines Angesichts und den nahen Tod vor Augen gesprochen. Es lautet: "Vater, nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!" - Dieses Bitten und Beten Christi im Garten Getsemani ist zum Maßstab für viele geworden, die Jesus seither nachgefolgt sind. – Vater, nicht mein Wille sondern dein Wille geschehen. Gott, nicht wie ich will, sondern wie du willst, so soll es denn geschehen.
Bei den Heiligen verweise ich bloß auf den hl. Johannes vom Kreuz. Er sagt uns, dass es beim Bitten genauso letztlich nur um eines geht: dass wir Vertrauen haben, dass wir uns und unsere Bitten Gott anvertrauen, dass wir alles vertrauensvoll in Gottes Hand legen. Die Art und Weise aber, wie Gott unsere Bitten dann erfüllt, das sollten wir ganz Ihm überlassen. Wie Gott unsere Bitten erfüllt, das ist nicht unsere Sache, das ist schon Seine Sache! Unsere Sache also ist das Bitten und Beten. Die Art und Weise aber, wie und was uns gegeben wird, das ist schon Gottes Sache. Und das ist wohl auch gut so.
Bei den geistlichen Meistern verweise ich auf den evangelischen Jahrhundert-Theologen Karl Barth: Was er über den Prediger gesagt hat, das gilt auch für alle, die beten: In der einen Hand sollten wir die Bibel haben, in der anderen Hand die Zeitung. Die Bibel lehrt uns, wie wir beten sollen. Die Zeitung zeigt uns, was und worum wir beten sollen.
Bittet, dann wird euch gegeben – in diesem Vertrauen sprechen wir nun die Fürbitten bei diesem Bitt-Gottesdienst!