3. Sonntag in der Osterzeit - 19.04.2026.

Predigt zum 3. Sonntag in der Osterzeit
1 Petr 1,17 – 21; Lk 24,13 - 35
Im Glauben mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Gott mir nahe ist – das möchte ich glauben, dass ich es aber nicht spüren kann. Manchmal fühlt es sich an, als ob Gott fern ist, aber dann erinnere ich mich daran, dass er versprochen hat, jeden Tag bei uns zu sein, bis zum Ende der Welt. Dann geht mir auf, dass nicht Gott fern ist, sondern dass ich mir schwertue, ihn zu erkennen. Da bin ich mit den beiden Jüngern aus dem heutigen Evangelium ja in bester Gesellschaft.
Diese Erzählung von damals kann uns als Spiegel für unsere heutige Situation dienen. Denn auch wir sind unterwegs – mit unseren Gedanken, mit unseren Hoffnungen, manchmal auch mit Enttäuschungen und Zweifel. Oft genug bleibt Gott dabei im Hintergrund. Und doch geschieht etwas: Nicht spektakulär, nicht überwältigend – sondern leise: Ein Wort, das uns trifft. Ein Moment, der uns innerlich berührt. Eine Ahnung, dass da mehr ist. Ich denke, wir alle kennen solche Emmaus-Momente im Leben.
Die Jünger beschreiben es so: Ihr Herz beginnt zu brennen. Das ist eine mögliche Beschreibung von Glauben: kein festes Wissen, keine unerschütterliche Sicherheit – sondern dieses innere Aufleuchten, dieses Berührtsein von etwas, das ich nicht immer in Worte fassen kann. Erst im Nachhinein wird klar: Das war nicht nur ein Gefühl, da ist wirklich jemand mit uns unterwegs.
Heute werden wir uns an unsere Taufe erinnern. Und die Taufe sagt genau das: Du gehst nicht allein. Noch bevor wir etwas verstehen konnten, noch bevor wir glauben oder zweifeln konnten, hat Gott schon Ja gesagt zu unserem Leben. Der Erste Petrusbrief bringt es sehr klar auf den Punkt: Unser Leben ist nicht zufällig, nicht beliebig – es ist erlöst, getragen, gewollt. Aber wie bei den Jüngern gilt auch hier: Das versteht man nicht auf einmal.
Wir dürfen es entdecken – Schritt für Schritt, manchmal erst im Rückblick. Vielleicht kennen Sie solche Momente: Dass Sie später merken – da war ich nicht allein.
Da ist mir etwas geschenkt worden. Da hat mich jemand getragen. Glaube heißt dann nicht: alles im Griff haben. Glaube heißt: aufmerksam werden. Auf das, was sich zeigt. Auf das, was im Herzen aufleuchtet. Auf die kleinen Zeichen seiner Gegenwart.
Manchmal geschieht dann, was auch die Jünger erleben: Dass sich etwas öffnet. Dass plötzlich klar wird: Er ist da. Nicht fern, nicht vergangen – sondern mitten auf meinem Weg. Die Einladung dieses Sonntags an uns kann sein, uns nicht nur an unsere Taufe zu erinnern, sondern sie als Wirklichkeit und Zusage zu begreifen: Jesus geht mit, auch jetzt, auch in meinem Leben, so wie es gerade ist. Dazu brauchen wir Aufmerksamkeit für die leisen Töne Gottes in unserem Leben, der zu uns auch durch unsere Mitmenschen spricht. Üben wir es ein, darauf immer besser zu hören und so Gottes Gegenwart immer wieder neu in unserem Leben zu entdecken! Amen.
Elisabeth Fritzl