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Inhalt:

Ostersonntag - 05.04.2026

Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja.
Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja.
Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja.
(Liturgischer Eröffnungsvers, Psalm 139,18)

Anastasis: Der Auferstandene zieht mit seinen eigenen Händen Adam und Eva aus dem Grab und an sich. Die Hände Christi zeigen, was ihm ein Herzensanliegen ist: Dass alle leben! Dass alle auferstehen!

Anastasis, russ. Ikone | hans perstling

Predigt am Ostersonntag 2026 – 04 – 05

Die Hände sind ein Spiegel der Seele. Die Hände erzählen, was einem im Herzen bewegt, wie es im Inneren ausschaut.

Das gilt auch von Jesus, von seinen Händen. In meiner Osterpredigt lade ich ein, dreimal auf die Hände Jesu zu schauen, dreimal auf die Botschaft seiner Hände zu achten:

1. Bei einem ersten Blick auf die Hände Jesu denke ich an den Ostergruß, den ich heuer von der KHG Graz bekommen habe. Dabei ist ein Kreuzbild mitgeschickt worden. Der Künstler Manfred Erjautz hat dieses beeindruckende Kreuz 2022 gestaltet: In einem Vandalenakt hat jemand dem Gekreuzigten den rechten Arm abgeschlagen. Der Künstler hat diesen fehlenden Arm nun durch eine Türklinke ersetzt. Die Türklinke wirkt wie eine Prothese.

Jesus, der Türöffner: „The Opener“, der Öffner nennt Erjautz diesen Jesus am Kreuz. Jesus ist der, der Türen öffnet – trotz allem Leid, das ihm damals und immer wieder zugefügt wird…
Da hat einer wieder einmal tief in das Innere dieses Jesus von Nazareth geschaut. Da hat einer kunstvoll umgesetzt, worum es Jesus geht, dem „Opener“, dem Öffner auch noch am Kreuz oben und allem Vandalismus zum Trotz.
Wer Zeit hat – einfach in Graz in die an Kunst so reiche Kirche „St. Andrä“ gehen, suchen, finden und schauen. – Jesus, der Türöffner!

2. Schauen wir ein zweites Mal auf die Hände Jesu. Wir können dazu unsere steirische Kirchenzeitung „das Sonntagsblatt“ hernehmen. Auf der Seite 1 der aktuelle Oster-Ausgabe ist die „Anastasis“ – die klassische Auferstehungsikone schlechthin. Geschrieben wurde diese Ikone von Altabt Otto Strohmaier bereist im Jahr 2009:
Der Auferstandene zieht mit seinen eigenen Händen Adam und Eva aus dem Grab und an sich. Die Hände Christi zeigen, was ihm ein Herzensanliegen ist: Dass alle leben! Dass alle auferstehen! Dass alle neu aufleben! Dazu ist er Mensch geworden. Dazu ist er gestorben. Dazu hat ihn der Vater auferweckt. Er will, dass alle das Leben haben, Leben in Fülle. Leben für alle – von den Stammeltern Adam und Eva angefangen. Ihnen streckt der Auferstandene seine Hände kraftvoll entgegen. Er entreißt sie dem Grab. Er entzieht sie dem Tod. Er zieht sie hoch zu sich, ins Licht, ins Leben, in den Frieden. Was dem Adam und der Eva getan ist, das ist allen getan. Gott sei Dank! Christus, seinen starken und rettenden Händen sei Dank!

3. Beim dritten Impuls zu den Händen Christi beziehe ich mich auf jenes wunderbare mittelalterliche Gebet, das in einem Kloster gefunden worden ist: dass Christus heute keine Hände hat, nur unsere Hände!

Am Mittwoch in der Karwoche war ich wieder einmal in der Kapelle des Priesterseminars. Es war diesmal vor unserem Einkehrtag und vor der Messe, in der die hl. Öle für die Taufe, die Firmung und die Kranken geweiht werden.
In der Hauskapelle hängt seit über 30 Jahren ein Bild von Arnulf Rainer. Der Künstler ist am 18. Dezember 2025 im 97. Lebensjahr gestorben. Über 60 Jahre seines Lebens hat er sich mit dem Kreuz auseinandergesetzt! Immer wieder hat Rainer über dieses universale Zeichen der Menschheit nachgedacht...

Viele seiner Kreuze schauen aus wie ein Kleid, wie die Dalmatik, das Gewand des Diakons. Jesus war im besten Sinn des Wortes „Diakon“ – ein Diakon für uns alle, für die ganze Menschheit. Denken wir bloß an die Fußwaschung!
Den Menschen ist die Wahrheit zumutbar – also auch die Wahrheit des Kreuzes und des Gekreuzigten Christus. Aber diese Wahrheit sollen wir als Christi Zeugen den Menschen wie ein Kleid hinhalten, damit sie hineinschlüpfen können, damit sie hineinwachsen können in das Geheimnis des Kreuzes und des Gekreuzigten.

Über viele Jahrzehnte hat der Künstler Arnulf Rainer viel Herzblut und viel Schweiß investiert, um Kreuzbilder zu schaffen. Für ihn steht das Kreuz wie kaum sonst ein Zeichen für die Menschheit, für jeden Menschen, nicht zuletzt für Jesus von Nazareth.
Auf dem sog. „Braunkreuz“ im Priesterseminar sieht man nicht die Hände Christi. Aber man sieht die Hände des Künstlers! Wie er mit seinen eigenen Händen an diesem Kreuz gearbeitet hat. Rainer hat sich an diesem und an vielen anderen Kreuzen regelrecht abgearbeitet. Gut so, dazu haben wir Hände. Dazu sollen auch wir Christi Hände sein, heute, in dieser Welt! Christi Hände und seine Zeugen:

Er ist auferstanden. Christus ist wahrhaft auferstanden. Amen. Halleluja!

Pfarrer Edi Muhrer

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