5. Fastensonntag - Passionssonntag - 22.03.2026

Predigt am 5. Fastensonntag 2026-03-22/Passionssonntag/Gebetstag für die verfolgten Christ:innen
- Wir leben in der Zeit der zahlenmäßig mit Abstand größten Verfolgung von Christinnen und Christen. Ca. 360 Millionen Gläubige sind das aktuell weltweit. Es ist ein Drama!
Daran erinnern wir uns seit 2014 in Österreich – und wir beten für unsere verfolgten Schwestern und Brüder ganz besonders am heutigen Passionssonntag. Ich denke dabei auch an das Jesus-Wort im Johannes-Evangelium 15, 20: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.“
Inzwischen ist ja noch ein zweiter Aktionstag mit diesem Anliegen dazugekommen – der sog. „Red Wednesday“. Der Auftakt zum „roten Mittwoch“ war 2015: Damals wurde die berühmte Christus-Statue in Rio de Janeiro zum ersten Mal rot beleuchtet, blutrot. Das hat beeindruckt – dieser ins blutrote Licht getauchte Christus hoch über Rio und der Copacabana.
Die päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ ruft an einem Mittwoch im November auf, Kirchen außen blutrot zu beleuchten, als Zeichen der Solidarität mit den verfolgten Gläubigen weltweit. Eine starke Aktion, verbunden mit Gebet und Gottesdienst, ein weltweites Zeichen der Solidarität: Die um ihres Glaubens willen Verfolgten sollen wissen, dass sie nicht vergessen sind. Dass wir weltweit an sie denken, für sie beten und solidarisch sind.
Zwei besondere Tage für die vielen viel zu vielen: der Gebetstag für die verfolgten Gläubigen am heutigen Passionssonntag und der Aktionstag „Red Wednesday“ im November.
- Wir haben heute als Evangelium eine echte Liebesgeschichte gehört – die Auferweckung des Lazarus aus Betanien, Jesu Ruf vom Tod ins Leben, aus dem Dunkel des Grabes ins Licht der Auferstehung. Eine Geschichte voll Glauben und Emotion, voll Liebe und Zärtlichkeit – eine Geschichte, die im Johannes-Evangelium schlicht „Zeichen“ genannt, nicht Wunder. Freilich ist es das größte aller Zeichen Jesu gewesen: ein Zeichen seiner besonderen Liebe und Verbundenheit mit Marta, Maria und Lazarus; ein Zeichen freilich, das Jesus in den tödlichen Konflikt mit den religiösen Autoritäten geführt hat; v. a. aber ist und bleibt dieses wunderbare Zeichen eine Liebesgeschichte! Bei einer meiner Einstimmungen auf die Passionsspiele habe ich hinter der Bühne darauf hingewiesen. Ich habe dazu ein paar Zeilen aus dem Evangelium vorgelesen:
„Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank.“
„Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus.“
„Dann sagte er zu den Jüngern: Lazarus, unser Freund, schläft, aber ich gehe, um ihn aufzuwecken.“
„Als Jesus sah, wie Maria weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.“ – Da ist kein weiterer Kommentar nötig!
- Als dritten Predigtpunkt möchte ich auf ein Wort hinweisen, das in der Lesung um in Evangelium mehrfach vorgekommen ist: das Grab!
Gleich viermal ist beim Propheten Ezechiel vom Öffnen der Gräber die Rede gewesen – und dass Gott sein Volk aus seinen Gräbern heraufholen wird. Im Evangelium war das Grab des Lazarus der Ort für das Zeichen Jesu, der Ort, an dem auch Jesus geweint hat.
Gott ist es, der in der Lesung vom Öffnen und Herausholen aus den Gräbern spricht. Im Evangelium ist es Jesus, der sagt: „Nehmt den Stein weg!“ Und der „mit lauter Stimme“ ruft: „Lazarus, komm heraus!“
Nehmt den Stein weg – was für eine Botschaft, was für ein Befehl und Auftrag heute noch!
Nehmt den Stein weg – die Künstlerin Ernestine Faux hat das 2019 in Feldkirchen großartig umgesetzt mit ihrem Kunstwerk im neuen Park in der Kirchengasse: Das leere Grab gibt einen neuen Blick auf die Kirche frei. Der weggenommene Stein kann das Herz und den Blick weiten…
Dieses leere Grab wird zur Passionsspielzeit gerade wieder mit zwei Botschaften bespielt: „…und ER wird auferstehen“ lesen wir auf der einen Seite - auf der anderen Seite: „…und ER ist auferstanden“.
Nehmt den Stein weg, sagt Jesus. „Da nahmen sie den Stein weg.“
In Feldkirchen ist der Stein nicht einfach weg. Er ist weiterhin da. Er steht daneben. Aber es ist etwas Wunderbares mit dem Stein geschehen. Ein Kind hat es einmal so gesagt: „Der Stein ist zur Sonne geworden!“
So möge es auch sein, wenn wir dort und da auf Jesu Wort hin Steine wegräumen. Es möge sich dann das Wunder der Wandlung ereignen: vom Stein zur Sonne und vom Tod zum Leben…
Oder wie es Falco kurz vor seinem tragischen Tod geradezu prophetisch besungen hat: Out of the dark, into the light! So möge es sein. Amen!
Pfarrer Edi Muhrer