3. Fastensonntag - 08.03.2026

Predigt am 3. Fastensonntag A 2026 – 03 -08
„Mich dürstet!“ - Immer wieder hören wir in diesen Wochen bei den Feldkirchner Passionsspielen dieses Jesus-Wort: „Mich dürstet!“ Es ist eines seiner letzten (sieben) Worte. Er spricht es als Gekreuzigter…
Im heutigen Sonntags-Evangelium begegnen wir Jesus als Wanderer. Müde und durstig kommt er zum Jakobsbrunnen. Dort trifft er auf eine Frau, die ebenfalls der Durst zum Brunnen geführt hat. In seiner Not bittet der Jude Jesus allen Gepflogenheiten zum Trotz eine Frau aus Samarien um Wasser! Die Jünger sind darüber sprachlos und verwundert. Was der Durst alles ermöglicht…
In der Lesung (Ex 17, 3-7) ist es das wandernde Gottesvolk, das Durst hat. Israel begehrt gegen Gott und gegen seinen Führer Mose auf. Was der Durst alles bewirkt… Das Gottesvolk „murrt gegen Mose“ und bringt Mose in eine lebensbedrohliche Lage. Mose schreit seine Not heraus – und Gott gibt dem Volk das lebensrettende Wasser! Es kommt aus einem Felsen an den Mose mit seinem Stab schlägt. Der Ort bleibt in Erinnerung auch noch nach tausenden Jahren: „Massa und Meriba“ – d. h. „Probe und Streit“, denn dort hat das Gottesvolk Gott auf die Probe gestellt. Dort hat es mit seinem Boten-Personal, v. a. mit Mose, gehadert. Es hat gegen ihn und seine Führung gemurrt. Was der Durst von Menschen alles möglich macht…
„Das Beste aber ist das Wasser!“
So hat es der Dichter Pindar schon 500 Jahre vor Christus in seinen Olympischen Oden ausgedrückt.
Für mich sind es ja drei sehr verschiedene Arten von Wasser, denen wir unser Leben verdanken: Ein erstes Gott-sei-Dank gilt dem Fruchtwasser im Leib unserer Mutter. Durch das Fruchtwasser sind wir mit allem Lebenswichtigen schon vor der Geburt versorgt worden. Ein zweites Gott-sei-Dank gilt dem natürlichen Element Wasser, das wir bei uns glücklicherweise in Hülle und Fülle und bester Qualität haben. Es ist so was von lebenswichtig für uns alle – und natürlich für alle Lebewesen und auch für unsere „Mutter Erde“, für diesen herrlichen und doch immer wieder brutal bedrohten „blauen Planeten“. Mein drittes Gott-sei-Dank gilt dem Wasser der Taufe: durch dieses Wasser ist die Kirche unser aller Mutter geworden. Die Taufe ist ja so etwas wie eine Wiedergeburt aus Wasser und Hl. Geist, eine geistig-geistliche Geburt. Alles Leben beginnt und verdankt sich dem Wasser!
Kein Wunder also, dass in der ganzen Bibel – vor allem aber in den Psalmen – immer wieder ein Loblied auf das Wasser angestimmt wird: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott (Ps 42,2)!“ Luther hat diesen Vers genial übersetzt: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir!“
Ähnlich wird der Durst, d. h. die Sehnsucht des Menschen in Ps 63,2 angesprochen: „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.“ – Was der Durst doch alles bewirkt…
Nichts kann besser die Sehnsucht des Menschen ausdrücken wie der Durst nach Wasser. Kein Wunder, dass Jesus mehrfach von sich als dem „lebendigen Wasser“ spricht – und dass am Schluss des letzten Buches der Hl. Schrift die Einladung ausgesprochen wird: „Komm! Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfange unentgeltlich das Wasser des Lebens (Apk 22, 17b)!“
Der neue Ambo und der neue Volksaltar in der Pfarrkirche von Feldkirchen „sprudeln“ nur so von Wasser und Licht. Sie bringen damit geglückt zum Ausdruck, dass die Eucharistie eine „Quelle“ ist, aus der wir trinken können - und ein Brunnen, aus dem wir immer wieder schöpfen dürfen.
Im „Kleinen Prinzen“ findet sich die Frage: Was würdest du tun, wenn du 53 Minuten Zeit hättest? Die Antwort lautet: Ich würde ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen…! Für mich ist jede Eucharistiefeier ein Gang zu einem Brunnen, ein Trinken aus der Quelle, ein frischer Schluck Wasser.
Mich dürstet danach! Diesen Durst wünsche ich allen, die hier in der Pfarre leben. Diesen Durst wünsche ich allen, die in diesen Wochen als Gäste zu unserem Passionsspiel kommen! Amen.
Pfarrer Edi Muhrer