Einkehrnachmittag mit Prof. Helmut Loder

Barbara ZWICKLER: Nach-Betrachtung zum Besinnungsnachmittag
Passion? Spiel!
Hinter- und vordergründige Gedanken über die Passionsspiele von Helmut Loder
„Ihr seid eigentlich die, die belobigt werden müssen“, begrüßte Prof. Helmut Loder die rund 40 Passionsspielerinnen und -spieler, die am 7. Februar in den Pfarrsaal gekommen sind und ihn herzlich willkommen hießen. Alfred Scharl hat den langjährigen Religionslehrer als Vortragenden für einen Einkehrnachmittag eingeladen.
Loder nahm das Wort Passionsspiele – geteilt in „Passion“ und „Spiel“ – unter die Lupe.
Spiel (in Sport, Kunst, Religion): Der Mensch nutze als „Homo ludens“ (spielender Mensch) Alltag, Politik und Sport als Gestaltungs- und Risikofläche. Während das Spiel Möglichkeiten zur Lebensgestaltung bietet, könne es durch hohen Einsatz oder den Zwang zum Gewinnen – beispielhaft aufgezeigt an den Olympischen Winterspielen – in ernste oder gar tödliche Konsequenzen umschlagen.
Auch Kunst, Musik, Theater seien Spiel. Sie sind lebensbejahend und bieten Widerstand gegen Zerstörung und Unterdrückung.
Religiöse Spiele, vom Martinsspiel bis zur Feier der heiligen Messe, dienen als transformatives Element im Glauben, das Mitfeiernde aktiv einbezieht. Diese „Inszenierungen“ bieten spirituelle Bereicherung und stärken durch das gemeinsame Erleben die solidarische Begegnung mit dem Nächsten.
Zusammenfassend meinte Helmut Loder: Das Spiel sei ein wichtiger Teil des Miteinanderlebens, es reiche vom Kartenspiel bis zum Theater. Er hob das Passionsspiel als besondere Form des „Nachspielens“ und „Nacherzählens“ der Leidensgeschichte Jesu hervor.
Passion (Leiden): Vordergründig würden wir mit Passion sofort die Leidensgeschichte Jesu verbinden. Passion umfasse aber das gesamte Wirken Jesu – von der Taufe bis zum Kreuz – und zeige Jesus in seiner vollen Menschlichkeit mit Liebe und Zweifeln. In Feldkirchen wird die vertraute Erzählung zu einer lebendigen Begegnung mit sich selbst, mit den anderen und mit dem Geheimnis des Glaubens. Spielerisch.
Passion sei nichts Vergangenes. Passion ist so gegenwärtig und erschreckend lebendig wie noch nie. Denn auch unsere Zeit ist geprägt von Flucht und Bösartigkeit. Die Namen lauten nicht mehr Galiläa oder Judäa, sondern Ukraine, Iran, Syrien, Afghanistan …
Schließlich sprach Loder einen dritten Punkt an: die Liebe. Sie sei keine romantische Geste, sondern eine Kraft, die trägt, verwandelt und heilt. Diese Liebe durchziehe das ganze Passionsspiel. Am Ende des Einkehrtages gab Helmut Loder den Feldkirchner Laiendarstellern mit: „Spielt mit Passion die Passion!“ Damit alle Hoffnung schöpfen und Liebe zum Leben entwickeln können.