3. Sonntag iJk A - Sonntag des Wortes Gottes - 25.01.2026

Predigt am 3. Sonntag im Lesejahr A 2026 – 01 – 25
Sonntag des Wortes Gottes/Weltgebetswoche für die Einheit der Christen/Fest der Bekehrung des Völkerapostels Paulus
An Sonntagen wie diesen ist es leicht, die Predigt in drei Punkte zu gliedern. Wir feiern an diesem Sonntag erstens einmal den Bibelsonntag. Wir stehen zweitens in der Weltgebetswoche für die Einheit der christlichen Kirchen. Der 25. Jänner ist zudem der Gedenk- und Festtag der Bekehrung des Apostels Paulus vor den Toren der Stadt Damaskus.
1.
2019 hat P. Franziskus in einem apostolischen Schreiben (Aperuit illis, 30. 9.) den Wunsch geäußert, dass dieser Sonntag im Jänner ganz besonders dem Wort Gottes geweiht sein soll. Er soll ein zusätzliches Zeichen für die Bedeutung der Bibel sein, für ihre Verehrung im Gottesdienst und für ihre Bedeutung im Leben der Gläubigen. Wir haben heute das Wort Gottes am Beginn festlich inthronisiert. Es ist mit Weihrauch geehrt worden. So wie der Altar am Anfang so ist das Buch nach der Verkündigung des Evangeliums geküsst worden…
In der ambrosianischen Liturgie in Mailand gibt es für die Lektor:innen einen eigenen Segen – so ähnlich wie bei uns, wenn ein Diakon das Evangelium verkündet: für die Verkündigung erbittet und bekommt er den Segen des Zelebranten. Schön, dass das Wort Gottes und seine Verkündigung in unserer Pfarrkirche dank des neuen Ambos einen so wichtigen Platz bekommen hat!
Zurück zu P. Franziskus, zum Initiator des heutigen Bibelsonntags: Wörtlich sagt er in einer Predigt: „Das Wort Gottes ist Licht auf unserem Weg, es führt uns zur Wahrheit und zur Einheit.“ Er selbst hat damit die Bibel mit der Ökumene verknüpft. Die Verehrung des Wortes Gottes, das Lesen der Hl. Schrift, das Meditieren biblischer Text – das alles kann helfen, dass sich die christlichen Kirchen näherkommen. Kein Wunder, dass das Bibelstudium für die Priesterseminaristen und die Theologiestudierenden die Seele und damit die Mitte ihres Studiums ist. Die Bibel ist kein Buch unter anderen. M. Delbrel hat es auf den Punkt gebracht. Sie sagt. Das Evangelium gilt es zu leben. Es ist „ein wahres, intimes, konkretes Herz-zu-Herz“ mit Jesus, dem Christus.
Ich hoffe, dass wirklich jede und jeder daheim so etwas wie eine „Haus- und Arbeitsbibel“ hat, stets griffbereit und immer in unserer Nähe. Und dann möge gelten, was Roger Schutz, der Gründer von Taizé, einmal so gesagt hat: Lebe das vom Evangelium, was du begriffen hast – und sei es noch so wenig. Aber lebe es!
2.
Die Texte für die Weltgebetswoche 2026 sind heuer von der Armenisch-Apostolischen Kirche vorbereitet worden. Sie stehen unter dem Motto: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“. Hier wird Paulus zitiert, Eph 4,4: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, eine Berufung! Die zweite Lesung, die wir heute gehört haben, war auch vom Völker- und Heiden-Apostel Paulus - aus dem 1 Kor 1: „Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch…“ Paulus spricht ganz offen die Streitigkeiten und Spaltungen an. Er stellt den Korinthern, den Kirchen und uns allen die Frage: „Ist denn Christus zerteilt?“
Da denke ich automatisch an den auch von den Soldaten nicht geteilten Leibrock Christi, an das Gewand, das Jesus in der Passion getragen hat. Es wird als „hl. Rock“ und als kostbare Reliquie in Trier aufbewahrt. Der Leibrock Christi ist vielen Gläubigen ein wichtiges Denk.Mal und ein starkes Zeichen der Erinnerung an Jesu Bitte, dass alle eins seien! Der Künstler Sieger Köder hat das verewigt in einem Bild, wo die Vertreter der orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirche alle nach der Reliquie greifen, die zu zerreißen droht…
Ich habe dazu Rektor Josef Fink im Ohr: Mit Händen ringend und entsetzt über die Spaltung in der Christenheit ruft er aus: O Jesus, dein zerteilter Leibrock, die Kirche!
Für mich ist das Rad eines der stärksten Zeichen für die christliche Ökumene: Das Rad mit den Speichen und der Nabe in der Mitte. Die Speichen stehen für die Kirchen und Konfessionen, die Nabe für Christus, die Mitte. Je näher die Speichen der Nabe kommen, umso näher kommen sie einander. Je näher wir Christus kommen, umso näher kommen wir einander als Gläubige, als Kirchen und als Konfessionen. Jesus, sei uns Jesus!
3.
Wir feiern und bedenken heute auch die Bekehrung des Apostels Paulus vor den Toren der Stadt Damaskus, sein inzwischen sprichwörtlich gewordenes „Damaskus-Erlebnis“. Bekehrung und Mission gehören zusammen. Das lehrt uns das Fest „Pauli Bekehr“. Wer nach außen gehen will, wer Missionar und Zeuge Jesu Christi sein will, der muss zuerst einmal nach innen gehen, sich besinnen, so etwas wie Exerzitien durchmachen. So war es schon bei Paulus: Er ist in sich gegangen – wie der verlorene Sohn. Paulus ist nach seiner Bekehrung in die Stille gegangen. Er hat gefastet und gebetet. Dann konnte er in die Öffentlichkeit gehen. Dann konnte er das gute Zeugnis für Jesus ablegen. So ist aus Saulus Paulus geworden, der größte Missionar der Christenheit, der großartige Zeuge für Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Es ist gut, wenn wir den Tag seiner Bekehrung nicht unter den Tisch fallen lassen. Es ist gut uns daran zu erinnern, dass Mission & Apostolat immer zuerst Umkehr & Bekehrung braucht. Das gilt für alle, für alle Kirchen und für alle Gruppen und Gemeinschaften in den Kirchen. Oder wie es Prof. Zulehner gerne sagt: Wer in Gott eintaucht, taucht bald einmal bei den Menschen auf, v. a. bei den Armen! So möge es sein. Amen.
Pfarrer Edi Muhrer