Taufe des Herrn - 11.01.2026

Predigt am Fest „Taufe des Herrn“ 2026 – 01 – 11
Das Evangelium von der Taufe Jesu – was für ein starker Auftakt, was für „eine programmatische Geschichte“ (Gnilka) gleich zu Beginn!
Kein Wunder, dass alle vier Evangelien über diese Taufe berichten. Ihre Botschaft wird dann bei der Verklärung auf dem Berg Tabor eins zu eins wiederholt und damit bestätigt. Diese göttliche Botschaft erklingt wie „ein menschliches Echo“ (Gnilka) unterm Kreuz im Bekenntnis des römischen Hauptmanns: „Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!“
Die Verbundenheit von Taufe und Geist spricht Jesus ganz zuletzt noch einmal an vor seiner Himmelfahrt – mit dem Auftrag zu gehen und zu taufen „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“!
Auffallend oft ist heute von Recht und Gerechtigkeit die Rede gewesen – dreimal in der Lesung und dann auch noch im Evangelium. Dort ist es Jesus selbst, der zu Johannes sagt: „Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“ Da gab Johannes nach.
Das Wort „Gerechtigkeit“ hat es bei vielen von uns nicht ganz leicht. Es wird ja inzwischen oft im Gegensatz zum Wort „Barmherzigkeit“ verstanden und gehört.
In der hebräischen Bibel ist Gerechtigkeit eines der wichtigsten Wörter: Gerechtigkeit heißt: lebenslange Treue zum Bund, lebenslange Treue zur Thora, zum Wort Gottes! Und da macht es Sinn, dass Jesus dazu das verbindende WIR verwendet: So können WIR die Gerechtigkeit ganz erfüllen: Mit diesem WIR solidarisiert sich Jesus mit Johannes und mit dem ganzen Gottesvolk! Noch dazu handelt es sich dabei um die ersten Worte, die Jesus im Matthäus-Evangelium spricht… Erste und letzte Worte haben bekanntlich ein besonderes Gewicht: Es geht Jesus darum, die Gerechtigkeit ganz zu erfüllen. Dazu weiß er sich gesendet. Das ist seine Berufung und Sendung. Das ist die Berufung und die Sendung des Täufers Johannes. Das ist Berufung und Sendung des erwählten Gottesvolkes!
„Die Gerechtigkeit ganz erfüllen!“ was für ein Projekt! Was für ein gemeinsames Projekt für Jesus, Johannes und das ganze Volk Gottes! Die Treue zum Wort und zum Willen Gottes ganz erfüllen, die Treue zum Bund leben – nicht zufällig singen wir bei den Tauferneuerungen: „Fest soll mein Taufbund immer stehen…“
Auf zwei Fragen möchte ich noch näher eingehen: Wer ist ER und wer sind wir? Wer ist dieser Jesus, dessen Taufe wir heute feiern? Und wer sind wir als Gläubige und Getaufte? Das heutige Fest der Taufe des Herrn mit seinen Texten kann uns darauf antworten!
1.
Wer ist ER, den Johannes im Wasser des Jordan getauft hat? Hören wir dazu auf die Lesung, das Evangelium und die Präfation der heutigen Eucharistiefeier:
In der Lesung sind es Worte des Propheten Jesaja (Kapitel 42) gewesen, die Wesentliches über Jesus sagen: Siehe, das ist mein Knecht… Das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Er bringt den Nationen das Recht… Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ja, er bringt wirklich das Recht…
Im Evangelium war es die Stimme aus dem Himmel: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
In der Präfation am Beginn des Hochgebetes klingt es dann zusammenfassend so: Bei der Taufe im Jordan offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes durch wunderbare Zeichen: Die Stimme vom Himmel verkündet ihn als deinen geliebten Sohn, der auf Erden erschienen ist, als dein ewiges Wort, das unter uns Menschen wohnt. Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube und bezeugt ihn als deinen Knecht, den du gesalbt hast, den Armen die Botschaft der Freude zu bringen. Was für eine geglückte Zusammenfassung, wer dieser Jesus ist und was seine Sendung in der Welt und für die Welt ist!
2.
Die zweite Frage: Wer sind wir? Wer sind wir als Getaufte? Das Evangelium weist uns den Weg und gibt uns eine dreifache Antwort:
Das erste ist der Hinweis auf den offenen Horizont, auf den offenen Himmel über uns: Eine himmlische Botschaft ist diese Botschaft der Taufe für unser ganzes Leben und Christ sein: Wer getauft ist und glaubt, dem ist alles möglich, dem steht der Himmel mit seinen Möglichkeiten offen.
Das zweite ist die Begeisterung, der Geist Gottes, Gottes Lebens-Atem in uns. Die Salbung mit Chrisam-Öl ist dafür bei jeder Taufe ein starkes Zeichen – wir sind Christen, d. h. die Gesalbten. Es gilt daher: Christ, werde, was du bist: eine geistliche und gesalbte Person bist du!
Das dritte ist das göttliche Wort, das ermutigt und stärkt für den Weg der Nachfolge: Du bist von Gott geliebt! Es gefällt Gott, dass es dich gibt! Was für eine Mitgift für das ganze Leben… Gott sei Dank, aber auch der Taufe und unserem Glauben sei Dank! Amen.
Pfarrer Edi Muhrer