2. Adventsonntag - 07.12.2025

Predigt am 2. Advent-Sonntag A 2025 – 12 – 07
Drei Blick-Richtungen möchte ich heute am 2. Advent-Sonntag ansprechen: den Blick auf uns selbst, den Blick auf unsere Nächsten und den Blick auf das Ziel – schau auf dich, schau auf deine Nächsten und schau auf das Ziel!
1.
Schau auf dich! Schau gut auf dich! Schau aber auch kritisch auf dich, auf deinen Glaubens- und Lebensweg. Bedenke, dass der Täufer Johannes und bald danach auch Jesus ihr öffentliches Wirken mit dem Ruf zur Umkehr begonnen haben: „Kehrt um!“
Scharenweise sind die Leute aus Jerusalem, ganz Judäa und dem ganzen Jordanland zu Johannes in die judäische Wüste gezogen und haben sich von ihm im Jordan taufen lassen – zum Zeichen ihrer Bereitschaft umzukehren. Und dieser Täufer hat die Menschen aber auch schon überhaupt nicht mit Glace-Handschuhen angefasst, v. a. nicht die Sadduzäer und die Pharisäer: „Ihr Schlangenbrut… Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“ Umkehren ist ein Tun…
Mit seiner Wassertaufe am Jordan und mit seiner radikalen Gerichts- und Umkehrpredigt hat Johannes die Menschen zur Besinnung gebracht. Er hat damit dem verheißenen Messias den Weg bereitet, Jesus, dem Christus. Er hat davon gesprochen, dass der Christus der Größere ist. Dass er kleiner werden muss, jener aber wachsen soll. Dass er nur der Zeuge für das Licht ist, jener aber das Licht. Und dass der Christus die Menschen mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen wird…
Jesus hat dann seinen Weg genauso mit dem Ruf zur Umkehr begonnen, mit dem Hinweis, dass die Zeit erfüllt und das Reich Gottes nahe ist. Es ist End.Zeit. Es ist Wende.Zeit. Es ist Zeit „einwendig“ zu werden – wie die Ausseer sagen. Es ist Zeit an uns zu denken, auf uns zu schauen, uns zu besinnen, nach innen zu gehen. Deshalb: Schau auf dich! Schau gut auf dich! Damit Christus auch in dir geboren werden kann. Damit er auch in dir seine Krippe findet, sein Bethlehem.
2.
Ein zweiter Blick soll zum Nächsten hin gehen, zum Bruder, zur Schwester. In der Lesung im Römerbrief hat uns der Apostel Paulus daran erinnert: „Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat – zur Ehre Gottes!“
D. h.: Es ist ein Gottesdienst, es gereicht Gott zur Ehre und dem Nächsten zum Segen, wenn wir einander annehmen. Wir können das, weil Beschenkte beschenken können. Wir können einander annehmen, weil Christus uns zuvor schon angenommen hat. Weil er uns so angenommen und geliebt hat, dass er für uns Mensch geworden ist.
Weihnachten hat ja immer auch etwas Hochzeitliches an sich, weil wir die Liebe feiern, die letztlich unfassbare Liebe – die Liebe Gottes und die Liebe uns lieber Menschen! Wenn Menschen einander lieben und heiraten, dann sagen sie es in der Kirche mit genau diesem Wort: „Ich nehme dich an – als meinen Mann, als meine Frau!“
Der Völkerapostel Paulus spricht im Römerbrief von Geduld, Trost, Hoffnung, vom einmütig sein der Gläubigen – und von seinem unbändigen Willen, Christus unter den Heiden zu bekennen und seinem Namen zu singen. Das aber darf nie ohne den Bruder oder ohne die Schwester geschehen. Der Blick auf die Nächsten, der Blick auf die Anderen ist etwas Heiliges und Wichtiges. Deshalb: „Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat – zur Ehre Gottes!“
3.
Der dritte Blick geht nach vorne. Er gilt dem Ziel. Das Ziel ist wichtig! Ohne Weihnachten wäre der Advent sinnlos, ohne Ostern wäre die Fastenzeit ein Unsinn...
Unser Ziel bei unserem Gang durch den Advent ist das Licht, das Licht der Weihnacht, das Licht, das vom Kind in der Krippe aufstrahlt und das uns auf den Weg dorthin lockt. Im „Messbuch 2026“ vom Verlag Butzon & Bercker steht dazu (Seite 27) ein Impuls von Heinz Janssen, den ich an den Schluss meiner Predigt stellen möchte:
ADVENT
im licht des kommenden
leben
glauben
lieben
dem augenschein zum trotz
Im Licht des Kommenden und trotz aller Finsternis das Ziel nicht aus dem Auge verlieren. Im Licht des Kommenden, der uns entgegenkommt, unterwegs bleiben. Im Licht des Kommenden leben, glauben, lieben – trotzdem, trotz allem, was sich uns dunkel und finster in den Weg stellt…
Er, der Kommende, er, der Entgegenkommende, er ist unser Licht. Er ist das Licht, das alle Finsternis hell machen kann! So möge es sein. Amen!
Pfarrer Edi Muhrer