Auferstehung Jesu Christi

Osterpredigt 2021
Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung…
Dieses Wort des Apostels Paulus (Phil 3, 10) ist mein Anliegen für Ostern 2021: Dass wir wachsen und reifen in unserer Christus-Beziehung, im Kennenlernen Christi und in seiner Nachfolge. Und dass unser Glaube an die Auferstehung wächst und reift, was ja in Zeiten von Corona für viele eine zusätzliche Herausforderung ist… Die Osterkerze und die Auferstehungs-Ikone können uns dafür eine Hilfe sein! Die Osterkerze ist in der westlichen lateinischen Tradition das österliche Christus-Symbol schlechthin - in den östlichen orthodoxen Traditionen ist das die Anastasis, die Auferstehungs-Ikone.
1. Zum Ersten - zur Osterkerze und ihrer Botschaft:
Für die Pfarre Feldkirchen hat wieder Edda Stadlbauer die Osterkerze gestaltet. Es ist eine Kerze mit viel Licht. Wir alle brauchen viel Licht. Wir können gar nicht genug Licht haben in dieser oft so dunklen Zeit der Pandemie.
Vom Licht der Osterkerze haben die Gläubigen in der Osternacht das Licht empfangen. Bis Christi Himmelfahrt wird die Osterkerze jeden Tag entzündet. Jeden Tag wird sie uns mit ihrem Licht erfreuen. Bei jeder Taufe werden die Paten die Taufkerze an der Osterkerze entzünden. Bei jedem Begräbnis wird sie brennen mit der Bitte, dass den Verstorbenen das ewige Licht leuchte. Franz Kardinal König hat bei seinem Testament handschriftlich eine kleine Bitte hinzugefügt: „Mein Wunsch ist nur: an meinem Sarg die Oster-Kerze nicht zu vergessen!“ Seither wird in viel mehr Pfarren als früher die Osterkerze bei den Begräbnissen in die Nähe des Sarges gestellt und entzündet.
Die Sehnsucht nach Licht, nach mehr Licht, ist tief in uns Menschen verankert. In fast prophetischer Manier hat das der viel zu früh verstorbene österreichische Musiker und Sänger Falco in einem Lied ausgedrückt, das erst drei Wochen nach seinem Tod erschienen ist: Out oft he Dark (Into The Light)! - Rauss aus dem Dunkel, hinein in das Licht! Dafür steht die Osterkerze, dafür steht der auferstandene Christus.
2. Zum Zweiten – zur Anastasis, zur Auferstehungs-Ikone und ihrer Botschaft:
Diese Ikone zeigt, wie Jesus Christus am Karsamstag in die Unterwelt hinabsteigt und wie er den Verstorbenen seine Hand entgegenstreckt. Er ergreift stellvertretend für alle die Hand von Adam und Eva. Damit ergreift Christus die Hand der ganzen Menschheit und aller Lebewesen. Adam heißt ja „Erdling“ und Eva bedeutet „Leben“. Alle holt Christus bei seiner Auferstehung aus ihren Gräbern. Alle bringt er in der Osternacht aus dem Dunkel ins Licht. Alle holt er vom Tod zum Leben! Die ausgestreckte Hand Jesu steht dafür. Mein Pfarrerkollege Lothar Zenetti (+ 2019-02-24) hat es einmal so ausgedrückt: Jesus starb, wie er lebte und lebt, wie er starb – aus ausgebreiteten Armen! Diesen Christus sollen wir erkennen und die Macht seiner Auferstehung - Dank seiner ausgebreiteten Arme, Dank seiner ausgestreckten Hand.
Einem Menschen die Hand hinstrecken, d. h. ihn retten! Dieses herrliche freilich nicht ganz Corona konforme Wort verdanken wir Honoré de Balzac. Genau das hat Jesus getan und uns damit ein Beispiel gegeben. Einem Menschen die Hand hinstrecken, d. h. ihn retten… Es wartet ganz gewiss zumindest ein Mensch in unserem Bekanntenkreis darauf, gerettet zu werden.
Er wartet wohl darauf, dass wir uns als Zeugen der Auferstehung bewähren.
So möge es sein. Amen.
Pfarrer Edi Muhrer