Palmsonntag: Jesus, der ganz andere König!

Predigt zum Palmsonntag 2021
Gott ist anders, ganz anders! Er ist immer wieder für Überraschungen gut. Gott ist der ganz Andere! Davon erzählt uns die Bibel. Da werden auf einmal die Armen seliggepriesen und nicht die Reichen. Da werden die Kleinsten, die Kinder, die Größten genannt. Sie werden von Jesus in die Mitte gestellt und nicht die Großen. Die, die nachgeben, die verzeihen und Frieden stiften, sie werden ausdrücklich gelobt und gesegnet.
Dass Gott so ganz anders ist und dass Jesus so ganz anders handelt - das wird auch in der Karwoche deutlich! Ich lade jetzt ein, dass wir kurz die wichtigsten Tage der Kar-Woche und ihre Botschaft bedenken. Wir werden entdecken, dass in der Karwoche so Einiges auf den Kopf gestellt wird und Einiges anders ist. Eine verrückte neue Welt zeigt sich beim Feiern der Karwoche:
Denken wir zuerst an den Palm-Sonntag und seine Botschaft: Jesus zieht als König in Jerusalem ein, ja – aber was für ein ganz anderes Königtum ist das? Was für ein ganz anderer König ist dieser Jesus! Dieser ganz andere König reitet auf einem Esel. Der Esel ist das Lasttier („der Traktor“) der kleinen Leute gewesen… Im Unterschied zum großen Pferd gilt der kleine Esel auch als Zeichen für die Demut und den Frieden. Ein paar Tage später wird der Friedenskönig Jesus dann seine Krone bekommen – aber es ist eine Dornenkrone. Und er wird seinen Thron bekommen - sein Thron aber ist das Kreuz. Ein neues Königtum zeigt sich am Palmsonntag, eine verrückte neue Welt taucht da auf.
Schauen wir hin auf den Grün-Donnerstag und seine Botschaft: Jesus, der Lehrer und Meister macht sich zum Sklaven durch den Dienst der Fußwaschung. Fußwaschung statt Kopfwäsche! Jesus ist und handelt ganz anders und gibt damit ein Beispiel, das sich gewaschen hat… Die Eucharistie, jede hl. Messe ist Fußwaschung, ist Sklavendienst Jesu an uns, ist Gottes Dienst an uns und für uns!
Dann der Kar-Freitag und seine Botschaft:
Wir sagen: Was tot ist, ist tot - und damit basta! Jetzt auf einmal heißt es: Im Tod ist Leben! Ist das nicht eine „verrückte“ Botschaft? Wird da nicht eine ganz neue Perspektive über den Tod hinaus aufgezeigt? Geheimnis des Glaubens, Geheimnis des Weizenkorns… Am Kreuz hat Jesus den Tod besiegt. Wer so stark wie der Tod ist, der ist schon stärker… Alle bisherigen Todesvorstellungen werden durchkreuzt, Gott sei Dank!
Nicht zuletzt dann die Osternacht und der Ostermorgen:
Die Nacht wird zum Tag, die Finsternis wird erhellt durch das Licht der Auferstehung! Nicht zu fassen, verrückt, was da zu Ostern geschieht: Kreuz und Grab stehen nicht länger für den Tod – Kreuz und Grab stehen für Leben und Auferstehung! Diese „verrückte“ Botschaft kann ich jeden Tag lesen. Ich muss nur das Fenster im Pfarrhof aufmachen… Am ersten Grab darunter lese ich: „Der Tod ist das Tor zum Leben!“
Lassen wir uns auf die Karwoche und ihre „verrückte“ Botschaft ein. Lassen wir uns auf Gott ein, den ganz Anderen – und auf Jesus und sein Beispiel. Amen.
Pfarrer Edi Muhrer