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Inhalt:
Predigt

Neben mir ist auch noch Platz

Predigt am 28. Sonntag A
Elisabeth Fritzl

Mit wem würden Sie gerne an einem Tisch sitzen? Und – die etwas unangenehmere Frage – neben wem lieber nicht?

Wenn wir ein Fest feiern, überlegen wir normalerweise genau, wen wir einladen. Familie, Freundinnen und Freunde, Menschen, die uns wichtig sind. Manchmal überlegen wir auch, wen wir besser nicht gleichzeitig einladen, weil es sonst schwierig werden könnte. Und wahrscheinlich gibt es bei den meisten von uns Menschen, neben denen wir freiwillig nicht unbedingt Platz nehmen würden.

Bei Jesaja heute ist das anders. Er beschreibt ein großes Festmahl, das Gott selbst ausrichtet: mit bestem Essen und erlesenen Weinen. Und dann steht da dieses kleine, entscheidende Wort: Gott richtet dieses Fest „für alle Völker“ aus. Alle!

Jesaja kennt keine heile Welt. Er kennt Gewalt, Leid und Tod. Und genau in diese Wirklichkeit hinein zeichnet er ein Gegenbild: Die Hülle, die über den Menschen liegt, wird weggenommen. Tränen werden von den Gesichtern abgewischt, Erniedrigung und Schmach verschwinden, sogar der Tod wird verschlungen. So, wie es jetzt ist, muss es nicht für immer bleiben. Gott hat mit dieser Welt noch etwas vor.

Dieses Bild berührt mich: Am Ende steht nicht die Trennung, sondern ein gemeinsamer Tisch. Nicht die Frage, wer hineindarf und wer draußen bleiben muss, sondern ein Fest für alle Völker. Deshalb ist dieser Text eine meiner Lieblingslesungen bei Verabschiedungen. Das ist eine große Vision. Und sie stellt auch uns eine Frage.

Denn wir Menschen sind ziemlich gut darin, Grenzen zu ziehen. Wir wissen schnell, wer zu uns gehört und wer nicht, wer in unser Bild passt, wer richtig glaubt oder richtig lebt. Auch als Kirche haben wir Menschen immer wieder vermittelt: Für dich ist hier eigentlich kein Platz. Weil deine Lebensgeschichte nicht geradlinig ist. Weil du geschieden bist und neu begonnen hast. Weil du queer bist. Weil du anders glaubst oder zweifelst. Oder einfach, weil du schon so lange nicht mehr da warst und nicht mehr weißt, wann man aufsteht und was man antwortet. Jesaja stellt mitten hinein diesen riesigen Tisch: für alle Völker.

Das Evangelium macht es uns dann allerdings nicht ganz so einfach. Auch dort wird eingeladen und gefeiert, aber die Geschichte ist sperrig und teilweise sogar verstörend. Einladungen werden ausgeschlagen, Gewalt bricht aus, Menschen werden von den Straßen geholt, Böse und Gute sitzen schließlich gemeinsam beim Fest.

Ein Gedanke hilft mir hier: Das Himmelreich ist in diesem Gleichnis nicht einfach das schöne Fest am Ende. Das Himmelreich zeigt sich in einem Gott, der nicht aufhört, sich den Menschen zuzuwenden und sie einzuladen. Die einen sagen ab – Gott lädt weiter ein. Andere reagieren ablehnend – Gott lädt weiter ein. Schließlich geht die Einladung hinaus auf die Straßen, zu allen, die dort zu finden sind. Für diese Einladung gibt es keine Vorbedingung. Aber sie möchte eine Antwort und sie darf etwas mit meinem Leben machen.

Und damit führt mich das Evangelium wieder zurück zu Jesaja: zu diesem großen Bild davon, wohin Gott mit uns und mit dieser Welt will. Zum Leben statt zum Tod, zum Trost statt zu den Tränen, zur Gemeinschaft statt zur Ausgrenzung.

Wenn wir nachher zur Kommunion gehen, können wir uns zusagen lassen: Ich bin eingeladen. Für mich ist Platz. Und dann können wir uns noch erinnern: Neben mir ist auch Platz für andere. Amen.

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