Gutes säen und ein Tröpfchen Geduld
„Ich habe heute Brennnessel und Löwenzahn angesät“.
Wenn uns das jemand erzählen würde, würden wir wahrscheinlich den Kopf schütteln. Wer sät bitte absichtlich Unkraut?
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte,“ beginnt das Gleichnis, das wir heute im Evangelium gehört haben.
Jesus erzählt gerne in Bildern. Bilder und Gesten bleiben in Erinnerung, wenn ein Wort vielleicht schon vergessen ist.
Mit dem Bild, dass plötzlich zwischen dem guten Weizen-Samen Unkraut hochsprießt, holt Jesus die Menschen in ihrem täglichen Leben ab.
Auch wir ärgern uns, wenn in unserem Hochbeet, Gemüsegarten oder Blumenkisterl plötzlich Brennnesselstauden oder Löwenzahn zwischen den frisch gesetzten Pflanzen wachsen.
Die Knechte wollen natürlich das Unkraut sofort auszureißen, doch Gott hält sie zurück.
Er lässt beides nebeneinander zu, denn was vielleicht auf dem ersten Blick als Schlecht gesehen wird, kann sich zu Gutem wandeln.
Wie zB. zu einem heilsamen Tee oder einer Salbe…
Unkraut, Weizen? Was kann das jetzt für uns heißen?
Derzeit geht es in der Welt nicht gerade friedlich zu.
Absichtlich werden Fakenachrichten und vieles mehr verbreitet, um zu provozieren und sich gegenseitig aufzustacheln.
Auch in unserem unmittelbaren Umfeld und unserem privatem Leben gibt es Licht– und Schattenseiten.
Persönliche Krisen, Schwächen, Rückschläge, Krankheiten, Eifersucht, mangelndes Vertrauen, Vorurteile wachsen plötzlich heran und scheinen unsere guten Samen, wie ein gutes Wort, eine liebevolle Geste oder ein offenes Ohr, zu verdrängen.
Wir wünschen uns oft sofort eine klare Entscheidung, möchten das Schlechte, wie die Knechte das Unkraut, sofort weghaben.
Doch oft gibt es nicht sofort eine Lösung.
Gott erwartet sich von uns Zeit und Geduld zu haben, kein vorschnelles Urteil zu fällen über sich selbst und andere, standhaft zu bleiben und sich auch nicht anstecken zu lassen, selbst Unkraut zu säen.
Solche Situationen sind nicht immer leicht.
Jesus sät immer wieder sein Wort, das Wort seiner Liebe aus. Gießen wir dieses zarte Pflänzchen, mit Geduld, unserem Glauben, Vertrauen und Nächstenliebe. Dann kann dieser kleine Same guten Ertrag bringen und zu einem friedlichen, liebevollen Miteinander heranwachsen. Dann kann es möglich werden, mit Gott in Berührung zu kommen und ihm zu begegnen.
Jesus gibt jeder und jedem, wie dem Unkraut, die Chance und die Zeit sich zu wandeln, neu zu beginnen, einen neuen Weg einzuschlagen, aus Fehlern zu lernen, Vorurteile abzubauen.
Wir dürfen vertrauen, dass aus etwas Kleinem, Unscheinbaren oder auch Schlechten, etwas Großes, Gutes wachsen kann, wenn Gott seine Liebe aussät.
Gott schaut auf uns und wirkt oft langsam und im Verborgenen
Sein Himmelreich beginnt klein im hier und jetzt und am Ende, wenn er sein Reich vollendet, entscheidet er zwischen gut und schlecht, denn er sieht in unser Herz.