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Predigt

Erinnere dich!

Predigt zu Fronleichnam
Wolfgang Schwarz

Erinnern, wie geht das? 

Das frage ich mich immer wieder, wenn mir der Name meines Gegenübers nicht einfällt, oder wenn mir jemand von der wunderschönen Taufe erzählt, die ich vor 18 Jahren gehalten habe, und ich keinen blassen Schimmer mehr davon habe. 

Erinnern, wie geht das? 

Heute haben wir in der Lesung die große Abschiedsrede des Moses gehört, sein Testament, das im Buch Deuteronomium zusammengefasst ist. Und Mose ermahnt in diesem Abschnitt das Volk lsrael: 

Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während der vierzig Jahre in der Wüste geführt hat… Dtr 8,2 und 

Nimm dich in Acht, dass dein Herz nicht hochmütig wird und den Herrn, deinen Gott, nicht vergisst. Dtr 8,14 

Denk daran, Nimm dich in Acht, Vergiss nicht… 

Erinnern ist ein Wesenszug des Glaubens und des Vertrauens. Das hat nicht viel mit dem geistigen Erinnerungsvermögen zu tun, das bei mir und manch anderen im Laufe des Lebens abnimmt. Erinnern in der Bibel, im Glaubensleben, ist eine Herzenssache. 

Der Fronleichnamstag ist ein besonderer Erinnerungstag. Wir erinnern uns an Ostern, an den Gründonnerstag, an das Letzte Abendmahl, an das Passahfest der jüdischen Gemeinde. Gott befreit sein Volk, Jesus hat uns in seiner Liebe frei gemacht. 

Beim Erinnern hilft meist ein Bild, ein Symbol, ein Erinnerungszeichen. Für uns sind es heute Brot und Wein. In diesen Grundnahrungsmitteln stellt Jesus sich und seine Lebensmission dar. 

Beim Erinnern hilft uns das Erzählen. Immer wieder erzählen wir Begebenheiten aus unserem Leben, die uns unter die Haut gegangen sind, die uns verletzt haben, oder die für uns einfach herrlich waren. Immer dieselben Geschichten, manchmal gleich erzählt, ein anderes Mal leicht verändert.  

Es gibt zum richtigen Erzählen, eine wunderbare Geschichte aus der jüdischen Frömmigkeitsrichtung der Chassidim:  

Man bat einen Rabbi, dessen Großvater ein Schüler des Gründers des Chassidismus war, eine Geschichte über seinen Meister zu erzählen. Er antwortete: "Eine Geschichte soll man so erzählen, dass sie selber Hilfe ist."  

Daraufhin erzählte er: "Mein Großvater war lahm. Als man ihn bat, eine Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen, sprach er davon, wie der heilige Baal Schem Tov (der Herr des guten Namens) beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Während mein Großvater sprach und erzählte, riss ihn die Erzählung so sehr hin, dass er hüpfend und tanzend zeigen musste, wie der Meister es gemacht hatte.  

Und in genau dieser Stunde war er geheilt. So soll man Geschichten erzählen!" 

Geschichten erzählen ist viel, viel mehr, als sich genau daran zu erinnern, wie es vielleicht damals einmal war. Richtig erzählt, wirken Geschichten hier und jetzt.  

Richtig erinnern geht nicht ohne Tun. 

Messe feiern ist wirksames Erinnern, Danke sagen, Eucharistie feiern. Aber Messe ist erst dann wirksam und heilsam, wenn wir auch im Alltag, in der Familie, in der Nachbarschaft, in unseren Pfarrgemeinden anfangen zu teilen, das Brot und genauso auch die Zeit, die Freizeit, das Engagement und unsere Energie. Dann sind wir in der Spur Jesu.  

Dann ist er unser lebendiges Brot und auch wir werden genießbar, Brot füreinander. Dann sind wir ein Leib mit Christus und untereinander: Leib Christi und Blut Christi! 

Denk daran, erinnere dich, vergiss nicht. AMEN! 

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