Ein Leben in und mit Beziehungen
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
Bei meine letzten Kurswoche innerhalb meiner Ausbildung “Exerzitien leiten und begleiten” habe ich in der Nähe des Kardinal König Hauses in Wien an der Lainzer Straße eine Dreifaltigkeitssäule aus dem 17. Jh. entdeckt. Aus Dankbarkeit für eine Gebetserhörung wurde sie gestiftet. Wir kennen diese Darstellungsform, die Gnadenstuhl genannt wird, von vielen Beispielen in unserem Land aus der Barockzeit. Heute sind Bilder der Dreifaltigkeit in unseren Kirchen sehr selten geworden. Was sagt uns diese traditionelle Bildform, die vielen heute fremd geworden ist?
Sie zeigt uns einen Gott in Beziehung, wie ihn uns Jesus Christus verkündet und vorgelebt hat. Wir sehen im Hintergrund eine menschliche Gestalt, die dasitzt und in die Weite blickt. Wir wissen hier ist Gott Vater dargestellt. Über 1200 Jahre wäre es unmöglich gewesen Gott den Urgrund allen Seins, den Jesus vertraut und liebevoll „Abba-Vater“ nennt, so menschlich darzustellen. Heute würde Jesus wahrscheinlich zu Gott genauso gut „Mutter“ sagen, weil sein Gottesbild viele mütterlichen Züge aufweist – denken wir nur an das Gleichnis vom “Barmherzigen Vater”.
Weil der Mensch Abbild Gottes ist und weil wir glauben dürfen, dass Gott selbst Mensch geworden ist in Jesus Christus, hat sich in unserer kirchlichen Kunst dieses menschliche Gottesbild entwickeln und durchsetzen können. Auf den ersten Blick ein Tabubruch und für die anderen monotheistischen Religionen unmöglich. Von Gott kann und darf es kein Bild geben. Für uns ist es ein Rückschluss: Wenn uns in Jesus Gott begegnet, dann muss der Vater ähnlich aussehen dürfen. Wichtiger aber als das Aussehen Gottes ist das, was er tut. Er hält das Kreuz und präsentiert uns Jesus, seinen Sohn als Gekreuzigten. Dazu hören wir im heutigen Evangelium, das Wort: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Joh, 3,16
Wir sehen einen Gott, der sich in seinem Sohn dem Menschsein aussetzt mit allen Konsequenzen bis zum schandvollen, ja - nach den religiösen Vorstellungen des Judentums - bis zum gottlosen, gottverfluchten Tod am Kreuz. Gott ist in seiner Liebe kein Abgrund zu tief. Er steigt ins Bodenlose des menschlichen Leids, damit es keinen gottlosen Zustand oder Ort mehr geben kann.
Wir sehen einen Gott, der die menschliche Grausamkeit aushält und zugleich seinen Sohn auffängt und aus dem Tod rettet. Wer diesem Gott vertraut, ist schon im ewigen Leben, in dem die Liebe das Sagen hat, in dem Verzeihung und Versöhnung wirksam werden. So zeigt sich in der Verbindung zwischen Vater und Sohn eine heilsame Wirkkraft, der Heilige Geist, der nicht als Mensch dargestellt wird, sondern nach den Tauferzählungen der Evangelien als Taube. Die Taube steht für Liebe und inneren wie äußeren Frieden, Versöhnt-sein und für geschenktes Ansehen. Jesus hat bei seiner Taufe diesen tiefen inneren Frieden erleben dürfen und in sich die Stimme Gottes wahrgenommen: Du bist mein geliebter Sohn, mein geliebtes Kind.
Gott ist in Beziehung mit uns und in Bewegung auf uns zu, von oben nach unten entfaltet er sich, dreifaltig, damit wir gerettet sind.
Unser Gott ist ein Gott der Beziehung will, Beziehung ermöglicht, Beziehung eingeht und wie manche Theolog:innen es auf den Punkt bringen - in sich Beziehung ist.
Dankbar feiern wir heute diesen liebenden Gott. Seine Allmacht ist keine Superkraft und Gewalt, sondern allein Liebe. Allein die Liebe ist allmächtig.
Gott ist und bleibt über uns, über unser Denken, Fühlen und Erkennenwollen hinaus unfassbar und unbegreiflich.
Gott ist zugleich mit uns, menschlich nahe, neben uns, an unserer Seite – das hat sich durch Jesus Christus gezeigt. Eine Lebensform, der wir uns verpflichtet wissen.
Gott ist ebenso in uns, in unserem Innersten, der Grund unseres Daseins, in unserer Tiefe, die eigene Lebendigkeit, bildlich gesprochen: unser Atem. Wir nennen und bekennen diese Wirklichkeit als Heiligen Geist, als göttliche Geistkraft, als pfingstliches Feuer, als Glut der Liebe.
Schauen wir auf dieses alte Bild und schauen wir darüber hinaus und entdecken wir den Dreieinigen in unserem eigenen Dasein und in einem Leben in und mit Beziehungen. AMEN!