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Inhalt:
Predigt

Tankstelle für geistvolle Treibstoffe

Trialogpredigt beim ökumenischen Gottesdienst am Pfingstsonntag
Maria Bretterhofer, Friedrich Eckhardt, Wolfgang Schwarz

Pfingsten ist kein frommer Betriebsausflug.
Kein spirituelles Wellness-Wochenende.
Was Lukas in der Apostelgeschichte beschreibt,
ist eine Szene, die aus den Fugen gerät.

Jerusalem. Ein Haus.
Hundertundzwanzig Menschen, die seit Wochen zusammenhocken.
Abwarten. Beten. Hoffen. Nervös wahrscheinlich. Verängstigt vielleicht.
Sie wissen, dass ihr Rabbi gekreuzigt wurde.
Sie wissen nicht, was als nächstes kommt.

Und dann – braust es.
„Ein Brausen vom Himmel wie ein gewaltiger Sturm."
Das griechische Wort ist pnoē. Atem. Wind. Hauch.

Derselbe Atem, der am Anfang über dem Chaos schwebte. Derselbe Hauch, der den Lehm zu Adam machte.
Gott greift nicht zum Skalpell. Gott greift zum Sturm.

Das ist Treibstoff Nummer eins: Windenergie.
Und Wind lässt sich nicht besitzen. Nicht aufbewahren. Nicht kontrollieren.
Jesus selbst sagt das dem Nikodemus:
„Der Geist weht, wo er will. Du hörst sein Brausen
– aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht."

Dann – Feuer.
Nicht ein Feuer.
Viele. Zungen. Getrennte Zungen wie aus Feuer,
die sich auf jeden setzen. Auf jeden einzelnen. Auf alle.

Dieses Feuer demokratisiert.
Es macht keinen Unterschied zwischen Maria und Petrus, zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten im Hintergrund.
Das ist Treibstoff Nummer zwei: Wärmeenergie – Feuer, das verteilt, statt zu verschlingen.
Im Alten Testament ist Feuer oft das Zeichen: hier ist Gott. Brennender Dornbusch. Feuersäule in der Wüste.
Jetzt setzt dieses Zeichen sich auf menschliche Köpfe.
Gott zieht um. Vom Tempel in Häuser.
Vom Altar in Gesichter

Und dann – Die Menschen auf der Straße sehen diese Gruppe und denken: Die haben getrunken.
„Sie sind voll mit süßem Wein."
Most. Billiger Wein.
Petrus muss ernsthaft dementieren:
Es ist neun Uhr morgens, Leute. Die sind nicht betrunken.

Das ist Treibstoff Nummer drei: Alkohol
– oder genauer: das, was wie Rausch aussieht, aber keiner ist.
Geist-Erfülltsein und Besoffenheit haben dasselbe äußere Erscheinungsbild.
Kontrollverlust. Lautstärke. Grenzenlosigkeit.
Freude, die nicht mehr leise bleiben kann.
Paulus schreibt später an die Gemeinde in Ephesus: „Berauscht euch nicht mit Wein
– sondern lasst euch füllen mit dem Geist."

Der Vergleich ist kein Zufall. Beide lösen etwas.
Beide nehmen die Kontrolle.
Der Unterschied: der eine nimmt sie raus,
der andere gibt sie wohin.

„Alle, die vom Geist Gottes angetrieben werden, die sind Kinder Gottes."
Das ist Physik des Glaubens.
Wind, der von außen kommt und alles aufbricht.
Feuer, das innen brennt und jeden trifft.
Rausch, der nach außen sichtbar wird und die Leute verwirrt.
Das sind die Ur-Treibstoffe.
Nicht erdacht. Nicht kultiviert. Nicht eingedämmt.
Ge-schenkt.

Denn, welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Röm 8,14 Luther)

Danke, lieber Fritz, du hast uns die biblischen Urformen des spirituellen Treibstoffes vorgestellt hast, Windkraft, Feuerzungen, Rausch des Geistes, nicht des Weines.

Kirche kann unmissverständlich eine Tankstelle für diese geistvollen Treibstoffe sein.

Ich frage mich, ob diese Pfingsterzählung uns auch einen Ausweg aus der derzeitigen Energiekrise zeigen kann. Wir spüren es im Geldbörsel: Energie wird immer teurer, ob es die Betriebskosten beim Wohnen sind, ob es der Sprit an der Zapfsäule ist, oder die gestiegenen Lebensmittelpreise. Kriegshandlungen blockieren weltweit Handelswege für Öl und Gas. Die Bremsen für den Spritpreis und andere Güter scheint nicht wirklich zu wirken.

Es ist an der Zeit auf alternative Energien zu setzen, auf saubere Energien, Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie und Biogas. Das allergrößte Potential an alternativer Energie liegt – bei uns selbst – im Einsparen.

Eine ganz andere Alternativenergie ist für uns als gläubige Menschen, der Geist Gottes, die Ruah Adonais. Sie treibt uns an immer mehr in der göttlichen Wirkkraft zu leben, zu denken und zu handeln, als Gottes Kinder. Gerade in Krisenzeiten beginnen hier und dort solche spirituellen Energiequellen zu sprudeln.

Eine solche ist für mich der Text von Dietrich Bonhoeffer, den er nach 10 Jahren national-sozialistischer Diktatur verfasst hat unter dem Titel: Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943. Mitten drinnen in dieser 10seitigen Abhandlung findet sich ein beachtlicher Abschnitt über sein unerschütterliches Gottvertrauen. Er lautet: Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte

Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

In diesen Gedanken, in diesem Vertrauen weht, nein, stürmt ein pfingstlicher Geist.

Wie würden wir heute unsere innerste und tiefste Glaubensüberzeugung formulieren und „ausleben“?

Danke, Wolfgang.

Ja, wie können wir heute unsere Glaubensüberzeugung formulieren, leben und davon Zeugnis geben?

Wir haben uns heuer um das Bild der Tankstelle inspirieren lassen und uns Gedanken darüber gemacht. Heutzutage gibt es schon sehr viele Tankstellen, die nicht nur Sprit aus Erdöl verkaufen, sondern es ist  auch möglich, Strom zu tanken, der hoffentlich aus nachhaltiger Energie gewonnen wurde.

Nachhaltig mit der Windkraft. Was bedeutet das für uns? Für unseren Glauben?

Der Geist weht und mit seinem starken Luftzug und bläst er alles Alte, Verstaubte weg und macht Platz für Neues. Platz für neue Ansätze, neue Gedanken, frische Gebete, erneuerte Beziehungen.Dieser Spirit bestärkt, ja verstärkt uns, damit wir nicht von jeden Windhauch umfallen.

Er hilft uns, unseren Glauben neu zu leben, neu zu gestalten.

Dieser Geist hilft uns beim „Ausmisten“ und Abstauben unserer Fehler und schlechten Gewohnheiten. Ein neuer Wind lässt uns neu anfangen. Ein neuer, kraftvoller Atem, der uns lebendig macht.  Dieser Spirit bestärkt uns, damit wir nicht bei jeden Windhauch umfallen.

Er hilft uns, unseren Glauben neu zu leben, neu zu gestalten.

Nachhaltig mit der Sonnenkraft, die uns mit der Hitze der Flamme Energie gibt. Sie treibt an, gibt Kraft, gibt Wärme, damit neues Pflanzen wachsen können. Ohne Sonne und Wärme verkümmern die Pflanzen und auch wir können nicht lange ohne Sonne auskommen. Sonne gibt uns Lebenskraft, Sonnenstrahlen können, wenn sie gebündelt werden, Feuer entfachen.

Im geistlichen Leben ist die Sonne als Bild für die Liebe Gottes sehr vertraut:

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da, singen wir z. B. So ist auch der Geist Gottes überall da. Überall dort, wo es dunkel ist, wo wir Licht, Erleuchtung und Wärme brauchen, damit wir im Glauben wachsen können. Den Heiligen Geist dürfen wir als gebündeltes Licht wahrnehmen und spüren. Er gibt uns die Kraft zum weiterwachsen.

Nachhaltig mit der Wasserkraft. Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Wasser ist unser Durstlöscher. Kein Lebewesen, keine Pflanze kann ohne Wasser gedeihen. Ein schönes Bild für den Geist, der uns nicht verdursten lässt. Er tränkt uns mit seiner Zusage, sodass wir gesättigt weitergehen können. Er lässt uns klar und tief in den Gefühlen und Gedanken werden, unser Leben sprudelt neu, strömt über von Freundschaft und Liebe.

So wird auch das Pfingstfest zu einem nachhaltigen Fest, das uns neu anfangen lässt, uns bestärkt und gestärkt weitergehen lässt.

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