Sehen und gesehen werden
Das ist ein Merksatz für die Verkehrssicherheit, der Kindern für das richtige Verhalten im Straßenverkehr und für eine entsprechende, reflektierende Kleidung beigebracht wird.
Sehen und gesehen werden, beschreibt auch eines unserer eigenen Bedürfnisse nach Ansehen und Respekt, d.h. Rücksicht.
Sehen und gesehen werden ist im sozialen Bereich bei der beruflichen Karriere, den öffentlichen Auftritten und in den sozialen Medien immer wieder ein Thema.
Sehen und gesehen werden, darum geht es heute in den Lesungen, die wir eben gehört haben.
Bei der Berufungsgeschichte des jungen David ist der Prophet Samuel zuerst im „Blindflug“ unterwegs und weiß nicht recht, wenn er von den Söhnen Isais zum König salben soll. Gott selbst gibt ihm die Inspiration und Sehhilfe: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt…Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. (1 Sam 16,7)
Im Evangelium ist es noch deutlicher. Der Blinde wird geheilt und sieht. Er lernt Jesus kennen und findet in ihm den Propheten, den Menschensohn, den Messias. Aber an ihm der sehend wird, scheiden sich die Geister. Er wird nicht als Mensch in Not gesehen und wahr genommen sondern als einer, der die Vorurteile und gesellschaftlichen Normen durchbricht. Er wird übersehen und auf ihn wird herabgeschaut. Die nicht Sehenden sehen und die Sehenden werden blind. Joh 5, 39
Die Erzählungen von der Salbung Davids und von der Heilung des Blindgeborenen sind Berufungs-geschichten. Gott übersieht sie nicht. Beide Erzählungen werden jetzt vor Ostern als Unterweisung für die Taufbewerber:innen gelesen. Taufe ist Erwählung, Taufe ist Erleuchtung. Ihnen und uns dürfen die Augen aufgehen für die heilsame Wirklichkeit und Wirksamkeit Gottes in der Begegnung mit Jesus.
Die Fastenzeit ist die Zeit mit unserem Glauben ernst zu machen. Wir dürfen den Wurzeln unseres Gottver-trauens nachspüren. Unser Taufbewusstsein vertiefen.
Schauen wir ganz bewusst in uns hinein und entdecken wir, an was und vor allem an wen glauben. Wer ist Jesus für mich? Hat sich seit dem letzten Osterfest etwas geändert in meinem Verhältnis zu ihm? Halte ich seinen Blick aus? Er schaut mich liebevoll an. Er gibt mir das Ansehen, das mich aufleben lässt.
Mit den Augen der anderen blickt er mich heute an und sucht meinem Blick, sucht Ansehen und Respekt. Amen!