Geh!
„Geh!“ Mit diesem klaren Wort Gottes an Abram beginnt die heutige Lesung.
Geh aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft, aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Bemerkenswert ist: Gott erklärt nicht, er liefert keine Landkarte und keinen konkreten Zukunftsplan. Er spricht eine Verheißung aus – und erwartet Vertrauen. Gott spricht, Abram hört, und Abram geht. Kein Dialog, kein Zögern, kein Einwand. Der Text ist knapp, fast nüchtern. Und gerade darin liegt seine Kraft: Abram macht sich auf den Weg – nur gestützt auf Gottes Wort.
Fastenzeit ist genau diese Zeit: eine Zeit des Aufbruchs, eine Zeit des Loslassens, eine Zeit, in der Gott auch uns nur ein schlichtes „Geh!“ zumutet, damit wir den Weg in das Land der Verheißung finden.
Ganz anders dann im Evangelium: da reden viele – aber nicht wirklich miteinander. Mose und Elija reden mit Jesus. Dann hören wir, dass Petrus redet – aber niemand antwortet ihm. Die Stimme des Vaters redet über Jesus – zu den Jüngern. Und die Jünger? Die verstummen.
Mitten in diesem scheinbaren Durcheinander steht der zentrale Satz: „Auf ihn sollt ihr hören.“ Diese klare Aussage ist wesentlich, denn Petrus macht etwas, das wir alle gut kennen: Er erlebt einen starken Moment und will ihn festhalten. Hier ist es gut. Hier will ich bleiben. Hier mich einrichten und mich absichern, den Moment ausdehnen und genießen.
"Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein” sagte der große Theologe Karl Rahner vor ca. 60 Jahren. Daran musste ich bei dieser Verklärungsszene denken. Die Jünger werfen sich aus Angst zu Boden und wissen nicht mehr, wie ihnen geschieht. Es war nicht so sehr die Verklärung Jesu, die sie verunsichert, sondern die Stimme aus der Wolke. Das hat mich sehr betroffen gemacht, weil ich mir die Frage gestellt habe, wann mich das Wort Gottes zuletzt “umgeworfen” hat, also mich so sehr gepackt hat. Damit mich etwas mitnimmt, egal ob im Positiven oder Negativen, muss ich es gut hören, gut wahrnehmen.
Konkret kann “auf ihn hören“ heißen:
Wenn Jesus von Vergebung spricht – dann reicht es nicht, wenn ich nur innerlich zustimme, sondern tatsächlich einen ersten Schritt wage: ein Gespräch suche, einen Groll loslasse und im besten Fall verzeihe oder um Verzeihung bitte.
Wenn er vom Dienen spricht – dann brauche ich nicht zu fragen: „Was bringt mir das?“, sondern: „Wo werde ich gerade gebraucht?“
Wenn er vom Kreuz spricht – dann muss ich schwierige Situationen nicht sofort als Scheitern deuten, sondern als Weg, auf dem Gott mitgeht.
Wenn er sagt: „Fürchtet euch nicht“ – dann muss ich nicht der Angst das letzte Wort geben.
Kurz gesagt bedeutet es für mich zurzeit: Weniger sofort reagieren, weniger alles kommentieren und dafür mehr hören, hellhörig dafür zu sein, wo bzw. durch wen Gott zu mir spricht – es muss nicht immer die Stimme aus der Wolke sein.
Fastenzeit kann dann für mich heißen: Einüben, dieses Wort herauszuhören – aus all den vielen Stimmen. Und dann wie Abram: nicht alles verstehen, aber gehen. Nicht Hütten bauen, sondern Schritte setzen. Amen.