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Inhalt:
Predigt

Leben - im Kreislauf der Zeit

Predigt am Aschermittwoch in Christkönig
Andrea Lang

Welche Jahreszeit mögen Sie am liebsten? Ich kann das gar nicht  eindeutig für mich beantworten, denn jede Zeit hat für mich etwas Besonderes.

Ich mag die Kälte und den Schnee im Winter, das frische Grün und den Duft der ersten Blumen im Frühling, die Abkühlung im Wasser im Sommer und im Herbst den bunten Blätterwald und im Garten das eigene Gemüse zu ernten.

Jede Jahreszeit braucht die andere, es ist ein Kommen und Gehen, ein Kreislauf, der sich jährlich wiederholt, der uns  Sicherheit gibt.

In diesem Kreislauf der Jahreszeiten spiegelt sich unser Leben, unser Leben, das eingebettet und Teil dieser unglaublichen Schöpfung Gottes ist.

Die kommende Fastenzeit können wir nutzen, um unsere Lebensweise unsere Gewohnheiten zu hinterfragen.  Leben wir  noch im Kreislauf der Jahreszeiten, im Einklang mit Gottes Schöpfung?

In einem kurzen gedanklichen Streifzug lade ich Sie jetzt ein mit mir, jede und jeder für sich, auf das eigene Leben zu schauen, das im Kreislauf der Zeit, eine Zeit des Winters, des Frühlings, des Sommers und  Herbstes durchlebt (Einladung kurz die Augen zu schließen, ev. Leise Musik)

                      -------------------------------------

Heute stehe ich fast am Ende des Winters. Ich fühle mich schwer und kraftlos. Ich spüre, es wird Zeit innezuhalten und Raum zu schaffen für ein „ neues“  Leben. Ich warte schon sehnsüchtig auf den Frühling, der mich mit Hoffnung und frischer Energie füllt. Im Frühling fühle ich mich kraftvoll, motiviert, will über mich hinauswachsen

Der Sommer folgt, mein Leben ist bunt, reich an Aktivität, lebendig, die warmen Sonnenstrahlen kribbeln auf meiner Haut, barfuß spüre ich den Boden, das Gras. Es geht mir gut und ich genieße das Leben.

Schließlich kommt der Herbst in mein Leben, die Zeit der Ernte. Die Fülle ist groß, mit guten Früchten an ehrlichen Gesprächen,  neuen Freundschaften und schönen Erfahrungen, aber auch mit Früchten, die Abschied, Enttäuschung bedeuten oder die Erkenntnis, die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

Dann kehrt wieder der Winter  bei mir ein. Er bringt mir Zeiten der Stille, der Ruhe, aber auch der Leere, der inneren Kälte, Zeiten, die auch Traurigkeit und Einsamkeit bedeuten können.

Im Kreislauf der Zeit kommen immer wieder Tage, an denen ich nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, wo ich müde geworden bin, mein Herz sich verhärtet hat, ich oberflächlich und ausgebrannt bin.

Nach jedem kalten Winter in meinem Herzen sehne ich mich auszubrechen, neu anzufangen, zu spüren, dass du Gott bei mir bist!

                              ---------------

Heute sind wir da –  am Aschermittwoch lädt uns Jesus ein, genau an diesem Punkt stehenzubleiben und ehrlich auf unser Leben zu schauen und Dinge loszulassen.

Als Zeichen des Loslassens haben wir die alten Palmzweige verbrannt. Die Asche ist das, was vom Alten bleibt.

Sie zeigt uns, wie zerbrechlich unser Leben ist  und zugleich aber voller Möglichkeiten zur Erneuerung.

Der Winter in uns hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht das letzte Wort.

In der Asche liegt also die Verheißung und Hoffnung auf einen Neuanfang, mit Gott an meiner Seite.

Es ist jetzt die Zeit den Blick nach innen, auf unser Leben zu richten. Jesus lädt uns ein zu einer Zeit der Umkehr, der Bereitschaft zur Veränderung, einer Zeit, das kalte Winterkleid abzuschütteln, Gewohnheiten, die uns hart gemacht haben, uns von der Hektik, dem Konsum, der Eigennützigkeit und dem Neid loszulösen.

Der Aschermittwoch ist kein trauriger Tag und die Fastenzeit keine Zeit, die mir alles Mögliche an Einschränkungen auferlegt. Sie ist der Anfang neuer Möglichkeiten, gibt uns die Chance, wie die Knospen im Frühling neu zu wachsen, wieder Kraft zu schöpfen, uns neu zu orientieren und unser Leben neu zu ordnen.

Die Sehnsucht nach dem Frühling, des Sommers  macht sich in uns breit. Wir sehen uns nach innerer Wärme, um wahrhaftiger zu leben, mit alle Sinnen die Schöpfung Gottes zu erleben und Gott wieder näher kommen, wollen Dankbarkeit, inneren Frieden, und Hilfsbereitschaft zulassen

Die Fastenzeit ist ein Angebot diese Sehnsucht zu stillen, ein Angebot, den Weg zu und mit Gott wieder zu finden.

„Ich bin bereit!“ Mit dem Aschenkreuz, das wir heute emfangen, fügen wir uns in den Kreislauf des Kommens und des Gehens im Einklang der Natur ein. Tragen wir es, als ZeugInnen – und HoffnungsträgerInnen, darauf vertrauend, dass Gott an unserer Seite ist, dann, wenn es in uns Frühling wird und wir mit Jesus auch unsere Auferstehung, das Leben feiern dürfen.

Amen

 

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