Unglaublich zärtlich
Taufe
wie tief
muss ich untergetaucht
werden
bis ich dem leben
auf den grund komme
wie rein
muss ich gebadet werden
bis meine haut
durchatmet wird von
licht
wie zart
muss mir gesagt werden
dass ich geliebt bin
bis ich es wirklich
glauben kann
Andreas Knapp, Weiter als der Horizont. Gedichte über alles hinaus, Echter Verlag, Würzburg, 10. Auflage 2024, S. 38.
Dieses Gedicht des Ordensmannes Andreas Knapp von den Kleinen Brüdern Jesu aus Leipzig bringt das heutige Evangelium und die Wirklichkeit unserer Taufe auf den Punkt. Ich bin durch meinen Kollegen Edi Muhrer aus Feldkirchen darauf aufmerksam gemacht worden.
Was Andreas Knapp hier anspricht in Form einer Frage, klingt für mich vielmehr nach Ermutigung über das eigene Getauftsein zu staunen.
Die erste Strophe
wie tief
muss ich untergetaucht
werden
bis ich dem leben
auf den grund komme
lässt mich an viele Menschen denken, die vom Leben eingetaucht werden, denen das Wasser bis zum Hals steht, weil etwas zerbrochen ist in ihren Beziehungen, weil eine Krankheit oder eine andere Herausforderung sie ziemlich auf die Probe stellt. Die positive Perspektive dabei ist: Wir werden durch schwere Aufgaben zum Grund des Lebens geführt. Untergetaucht werden kann „erden“ aber genauso auch „himmeln“. Ehrfürchtig darf ich immer wieder Menschen in unseren Pfarren begegnen, die nicht aufgeben und an ihrem Gottvertrauen festhalten, auch wenn es eng wird.
Die 2. Strophe spricht mich heuer besonders an:
wie rein
muss ich gebadet werden
bis meine haut
durchatmet wird von
licht
Ich will heuer im Sommer das zweite Mal in meinem Leben 30tägige Exerzitien machen. Das wird ein „Badeurlaub“ von besonderer Qualität. Ich tauche ein Monat in einem Kloster unter. Letztes Jahr habe ich mich dazu entschlossen in meinem Alter nochmals eine neue Ausbildung anzugehen, eine Ausbildung über 2 ½ bei den Jesuiten in Wien. Zum Exerzitienbegleiter bzw. -leiter will ich mich ausbilden lassen. Dabei geht´s genau um dieses Licht, das durch meine Haut durchatmen will. Ich bin davon überzeugt, dass in jeder/m von uns dieser Funken Gottes verborgen ist, dieses Licht, das oft verstellt und verdeckt ist. Exerzitien wollen ordnen, reinigen, damit dieses Licht durchatmen und wieder leuchten kann. Hoffentlich wird diese Ausbildung für uns alle ein Gewinn.
Am meisten spricht mich aber die 3. Strophe an:
wie zart
muss mir gesagt werden
dass ich geliebt bin
bis ich es wirklich
glauben kann
Da fühle ich mich ertappt. Ja, das ist wirklich eine Frage und eine Ermutigung zugleich. Das Schwerste an unserem christlichen Glauben sind für mich nicht Glaubensinhalte wie die Jungfrauengeburt, oder die Auferstehung von den Toten, sondern dass ich annehmen kann, dass ich gewollt und geliebt bin vom Urgrund unseres Daseins, von Gott, den Jesus seinen Vater nennt. Liebe kann nur ganz, ganz zart gesagt, vermittelt, geteilt werden. Vielleicht überhören wir deswegen – voller Zweifel – diese Frohe Botschaft.
Aber es gilt dir und mir, was Jesus bei seiner Taufe erfährt:
Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Gefallen gefunden habe.
Unglaublich zärtlich ist dieses Wort. AMEN!