Ein Weg, der nach Zukunft schmeckt
Wann haben Sie in einer Predigt das letzte Mal von der Liebe Gottes zu uns gehört?
Diese Frage ist vielleicht nicht so schwer zu beantworten, denn jeder Sonntag lädt dazu ein 😊
Wann aber haben Sie das letzte Mal vom Zorn Gottes predigen hören?
Bei uns in Christkönig/Schutzengel wird es schon länger her sein – es ist auch nicht mein Spezialgebiet oder der Fokus in den Predigten von Elisabeth und Elfriede.
Vom Tag des Zornes des Herrn war in der heutigen Lesung aus dem Buch Zefanja die Rede. Das Buch Zefanja geht zurück auf den gleichnamigen Propheten, der im 7. Jh. v. Chr. im kleinen Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem zur Umkehr aufruft. Seine Predigt am Ende der Königszeit - wenige Jahr vor der Katastrophe der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier - gilt den Reichen und Mächtigen, den Wohlsituierten, die die Armen demütigen und ausbeuten. Seine Predigt hat ein Thema der „Tag des Herrn“, und das ist der Gerichtstag, an dem Gott in seinem Zorn - dies irae, Tag des Zornes - ähnlich wie bei der Sintflut alles Leben vernichten will. Aber dann tut sich mitten in dieser Predigt ein kleiner Spalt auf, der einen Schimmer von Hoffnung aufstrahlen lässt. Dieser kleine Spalt heißt: Vielleicht…
Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zornes des Herrn. (Zef 2,3) Das sagt der Prophet aber nicht den Priestern, den Beamten des Königs oder dem König. Das sagt er den Gedemütigten und denen die Gerechtigkeit suchen und selbst Demut üben.
Und dieses Vielleicht wächst sich dann aus zur tiefen Überzeugung, dass Gott nicht ungerecht oder rachsüchtig über alle drüberfährt, sondern Erneuerung schenkt, sein Volk arm werden lässt aber ihm zugleich einen großen Frieden schenkt. Im Bild schildert Zefanja das Volk Israel wie eine Herde: Ja, sie gehen friedlich auf die Weide und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen. (Zef 3,13) Aus der Gerichtsvision wird eine Friedensvision, aus der Rede vom Zorn Gottes eine Theologie der Armen. Jesus greift dann diese Rede von den Armen in seinen Seligpreisungen auf.
Wenn vom Zorn Gottes die Rede ist in der Bibel im AT und NT, dann ist das für uns oft sehr befremdlich, weil von Gott wie von einem Menschen gesprochen wird, der außer Rand und Band ist. Dahinter steckt aber die Botschaft: Gott ist diese Welt nicht egal. Er setzt sich leidenschaftlich für das Leben und die Gerechtigkeit ein. Unser Handeln hat Konsequenzen. Wir selbst zerstören unsere Lebensgrundlage, wenn wir uns nicht nach den Lebensweisungen Gottes richten. Der Zorn Gottes ist aber nie das Letzte. Gläubige Menschen haben das Lebensfeindliche rund um sich als Zorn Gottes interpretiert. Jesus selbst steht mit seiner Predigt und mit seiner Lebenspraxis dafür ein, dass im Vertrauen auf Gott, den er liebevoll seinen Papa nennt, - in seiner Muttersprache Aramäisch heißt das „Abba“ –die Armen und Kleinen nicht enttäuscht werden. Sie sind die, die am Ende lachen werden. Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich…
Vielleicht ist unsere Kirche in Österreich, die nach wie vor über so viele finanzielle Mitteln verfügt, unglaub-würdig und so schwach, weil unsere noble Ausstattung nicht zu den Seligpreisungen passt.
Papst Franziskus hat angefangen von einer „Armen Kirche“ zu träumen und Zeichen dafür gesetzt. Machen wir uns bereit, manches an Sicherheiten zu lassen und neu das Vertrauen zu üben. Vielleicht bekommen wir dann einen tiefen Frieden geschenkt. Verlassen wir uns auf das Wort Jesu, der die selig nennt, die nicht groß, mächtig und einflussreich auftreten können.
Vielleicht ist das ein Weg, der nach Zukunft schmeckt in unserer Kirche und Gesellschaft.
Amen!