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Predigt

Nehmt Gottes Melodie in Euch auf!

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis A in Schutzengel
Wolfgang Schwarz 

Was ist uns von Weihnachten geblieben? Die Erinnerung an eine schöne Feier, an Begegnungen in der Familie, die Freude über überraschende Geschenke, die Erinnerung an freie Tage, die ich jetzt auch schon wieder brauchen könnte? Vielleicht haben wir auch noch ein Lied im Ohr, den Gesang der Sternsinger oder eine andere vertraute Melodie oder einfach die positive Grundstimmung, die das Fest der Menschwerdung Gottes uns wieder geschenkt hat.

Gestern ist im Stephansdom Josef Grünwidl zum Bischof geweiht worden. Er hat sich als neuer Erzbischof den Wahlspruch ausgesucht: Nehmt Gottes Melodie in euch auf! Dieses gute Wort geht auf Ignatius von Antiochien zurück einen Bischof und Kirchenlehrer, der der Tradition nach um das Jahr 110 das Martyrium in Rom erlitten hat.  Er hat als Gefangener auf dem Weg zur Hinrichtung in Rom verschiedene Briefe an die christlichen Gemeinden verfasst. Im Brief an die Gemeinde in Ephesus schreibt er: Nehmt Gottes Melodie in euch auf. So werdet ihr alle zusammen zu einem Chor, und in eurer Eintracht und zusammenklingender Liebe ertönt durch euch das Lied Jesu Christi. Das ist das Lied, das Gott der Vater hört – und so erkennt er euch als die, die zu Christus gehören.

Soweit dieser Kirchenvater. Erzbischof Josef als Organist und Kirchenmusiker kann in diesem poetischen Bild ein Leitbild, ein Modell, für Kirche heute sehen, oder um beim Bild zu bleiben: Hören, Heraushören.

Nehmt Gottes Melodie in euch auf, passt auch wunderbar zur Erzählung von der Berufung der ersten Apostel. Mir fällt bei dieser Erzählung aus dem heutigen Evangelium auf, dass Berufung bei Jesus mit viel Leichtigkeit verbunden ist:

Sie geschieht im Vorübergehen, nicht bis ins Einzelne geplant und strategisch organisiert.

Ein Satz genügt: Kommt her, mir nach! Keine langen Predigten, keine überzeugenden Argumente, keine Erklärungen oder Versprechungen.

Die Apostel werden jeweils zu zweit berufen. Zu zweit geht´s sich´s auch leichter.

Und die Berufenen haben die Freiheit mehr oder weniger alles zurück zu lassen, Beruf und Familie.

Da muss schon einiges in ihnen zum Schwingen gebracht worden sein. Sie haben ihre eigene Lebensmelodie durch Jesus entdecken können und diese Melodie, die Gott in sie hineingelegt hat, hat sie motiviert und angetrieben.

In dieser Woche habe ich mich mit einem jungen Paar zusammengesetzt, die um eine Segensfeier anlässlich ihrer standesamtlichen Trauung gebeten haben. Das Besondere an diesem Paar war, dass sie mit einer großen Aufmerksamkeit und mit viel Respekt füreinander da waren. Als ich sie fragte, was das Besondere an ihrer Beziehung ist, haben sie mir geantwortet, dass es so unverhofft war, wie sie sich kennengelernt haben und dass es dann nochmals unverhofft war, dass aus einer Freundschaft eine Partnerschaft gewachsen ist. Für mich ist ihre Liebesgeschichte genauso eine Berufungsgeschichte, in der die Melodie Gottes durchklingt.

Berufung ist nicht zuerst Verzicht, Entsagung und Opfer. Nicht die Forderung nach Gehorsam und Demut, sondern die Freude an Gottes Melodie, die er in uns hineingelegt hat und immer wieder zum Klingen bringen will.

Glauben dürfen und zu Jesus gehören, sein Lied gemeinsam im Chor der Kirche zu singen, kann gerade in herausfordernden und interessanten Zeiten ein echter Frustschutz sein.

Nehmt Gottes Melodie in euch auf! AMEN!

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