Wir werden fündig werden!
Was steckt dahinter? Das habe ich mich im Advent immer wieder gefragt, als ich an der Wohnungstür einer meiner Nachbarinnen vorbeigegangen bin. (Foto von Tür) Dabei ist mir das Lied “Macht hoch die Tür” eingefallen, das angelehnt an Psalm 24 entstanden ist. Hebt Euch, ihr Tore! heißt es dort, denn es kommt der König der Herrlichkeit! Vom Propheten Jesaja haben wir heute vom Freudenboten gehört, der den Frieden ankündigt und Zion zuruft: Dein Gott ist König. Heute warten wir nicht mehr auf einen König, aber mehr als in vielen anderen Jahren zuvor ersehnen wir den Frieden, der von dem kleinen Kind in der Krippe ausgeht.
Gottes ewiges Wort wird menschlich in dieser Welt erfahrbar („Fleisch“) in Jesus. Das drückt sich in Bildern aus: Er ist Licht und Leben für uns Menschen. Dennoch nehmen „die Seinen“ das Wort Gottes zum großen Teil nicht an. Manche aber tun es doch und fühlen sich reich beschenkt als Gottes Kinder mit Treue, Gnade, Herrlichkeit.
“Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.” Das bringt mich wieder zur besonderen Deko an meiner Nachbarswohnung. So wie es Menschen aus dem Volk Israel geht, dass sie dieses fleischgewordene Wort nicht erkannten, so geht es auch mir immer wieder. Denn vielleicht wohnt er nicht unter uns, vielleicht wohnt er neben mir? Die Frage, wie ich Gott erkennen kann, stelle ich mir nicht nur zu Weihnachten, aber gerade auch jetzt. Wer ist dieser König der Herrlichkeit, der kommen soll, und wie entdecke ich ihn?
Wir könnten uns nun alle einen Spiegel vors Gesicht halten oder wir schauen einmal, wer denn heute da ist und mit mir das Fest der Geburt Jesu feiert. (kurze Stille) Ein Funke des Göttlichen wohnt in jeder und jedem von uns. Wenn ich Gott entdecken möchte, muss ich offen, neugierig und interessiert bleiben. Wir müssen die Türen öffnen, vor allem die Türen unseres Herzens. Und so nehme ich mir vor, nicht nur neugierig auf schön verpackte Türen zu schauen, sondern auch hinter die Fassaden von Menschen. Von solchen, die mir auf die Nerven gehen, von jenen, die ich überhaupt nicht einschätzen kann, von Menschen, die mir auf den ersten Blick nicht so interessant erscheinen. Ich möchte mir wieder bewusst machen, dass es auf den Inhalt des Geschenks ankommt, nicht so sehr auf die Verpackung. Gott reißt alle Grenzen nieder, indem er selbst Mensch wird, ein unglaublich großes Geschenk, mit dem ich immer wieder auch überfordert bin. Der tschechische Priester Tomas Halik schreibt: “Das wahre Christentum ist keine erstarrte religiöse Ideologie, kein System von Ritualen und Bräuchen, Vorschriften und Verboten. Es ist das Abenteuer der Suche nach dem lebendigen Christus in unsere Zeit, in unserer Welt, in unserer Gesellschaft.“ (Tomas Halik) Lassen wir uns ein auf dieses Abenteuer, immer wieder – ich bin mir sicher: wir werden fündig werden! Amen.