Wir finden unser Du
Kennen Sie das? Sie schauen in die Wolken und erkennen plötzlich ein Gesicht darin, das sie anlächelt. Oder die Anordnung von Fenstern im Nachbarhaus lässt Sie ebenso ein Gesicht erkennen. Vor kurzem habe ich eine Birne angeschnitten und auch hier schauten mich durch die Kerne zwei Augen plötzlich an. Die Wissenschaft sagt uns: Unser Gehirn ist stets auf der Suche nach Mustern, die wir als bekannt einordnen können. Ein menschliches Gesicht ist eines der wichtigsten Muster, die in uns eingespeichert sind. Denn, wenn wir in ein Gesicht schauen, dann wissen wir: Da ist jemand. Da ist ein Du. Da kann ich Gemeinschaft finden. Da ist einer oder eine ansprechbar. Wenn wir in Bäumen, Steinen, in Möbeln oder Wasserflecken Gesichter erkennen, dann ist das nicht eine kindische Spinnerei, sondern die Bestätigung: Ich bin ein Mensch, der die Nähe anderer sucht. Dieses Phänomen wird in der psychologischen Forschung Pareidolie genannt.
Wenn wir heute Nacht Weihnachten feiern, dann wird unser Blick auf menschliche Gesichter geweitet und vertieft. Im Neugeborenen, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt, in diesem schwachen und ohnmächtigen Kind, dass ganz auf die Hilfe der Mutter, der Eltern und vieler anderer angewiesen ist, in diesem menschlichen Antlitz dürfen wir den Grund unseres Daseins erkennen, den lebendigen Gott. Das ist das Wunderbare zu Weihnachten, dass wir in jedem menschlichen Gesicht dem Geheimnis Gottes begegnen. Ganz gleich ob der oder die andere uns anlächelt, ängstlich anschaut oder kritisch herüberblickt. In dieser heiligen Nacht bekommen wir den Durchblick dafür, dass das große Du Gottes uns in jedem menschlichen Du entgegentritt. Du bist nicht allein, deine Sehnsucht nach einem Gegenüber, nach Gemeinschaft kann gestillt werden. Gott kommt auf Augenhöhe. Nicht nur dein Gehirn oder deine Psyche ist auf menschliche Züge „programmiert“ sondern in deinem Innersten wartet Gott auf dich, wird das Leben immer wieder neu geboren.
Vertraue darauf und erkenne es: Christus, der Retter ist da. Er ist bei dir und in dir. Das Kind in der Krippe ist Zeichen dafür. Es schaut uns an und wir finden unser Du!
AMEN!