Du bist mein geliebtes Kind
Um das heutige Fest wurde jahrhundertelang gestritten und es wurde hart erkämpft.
Die Frage war: Wie kann Maria Gottesmutter sein, wenn sie wie alle anderen Menschen sündig ist?
Sie muss doch sündenfrei sein, wenn sie so eng mit Jesus unserem Erlöser und Heiland verbunden ist.
In der Ostkirche wird dieses Fest der Unbefleckten Empfängnis schon über 1000 Jahre gefeiert ohne sich darüber besonders komplizierte Gedanken zu machen. Maria wurde im Schoss ihrer Mutter empfangen und Gott hat sie berufen, die Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Von ihrer Empfängnis weg war Maria sündenlos. Sie wurde vom unseligen Verstricktsein in die Ursünde oder Erbsünde herausgehalten.
In der Westkirche wurde über 800 Jahre darüber diskutiert und heftig darum gerungen, wie das alles sein kann? 1854 endlich wurde die Unbefleckte Empfängnis Marias als Dogma verkündet. Das Fest wurde ja schon vorher gefeiert, auch im Westen.
In Österreich ist dieser Tag 9 Monate vor dem Fest Maria Geburt ein politisch wichtiger Tag, eigentlich ein ehemaliger Staatsfeiertag. Kaiser Ferdinand III. hat Österreich am Ende des grausamen Dreißigjährigen Krieges der Unbefleckten Empfängnis geweiht und den kirchlichen Festtag zu einem staatlichen Feiertag erhoben. Die Nazis haben diesen Feiertag abgeschafft und nach dem Krieg wurde dieser staatliche Feiertag durch eine Volksabstimmung vor genau 70 Jahren wieder eingeführt. Vor 30 Jahren wurden durch einen Salzburger Landeshauptmann die Geschäfte an diesem Feiertag geöffnet.
Soweit die Geschichte, aber was sagt uns dieser Festtag?
Der 8. Dezember bringt auf den Punkt, was wir von uns glauben dürfen und welch hohes Ansehen wir als Menschen bei Gott haben.
Maria hat den Gruß des Engels hören dürfen und ganz persönlich: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Lk 1,30
An Maria dürfen wir sehen und feiern, was uns selbst geschenkt wird durch die Zuwendung Gottes.
Wunderbar ist dieser Glaube an unsere Erwählung im Hymnus des Epheserbriefes ausgedrückt, aus dem die heutige Lesung genommen wurde.
Wir sind Gesegnete. Wir haben Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Gott hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Töchter und Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Eph 1,5
Was Gott Maria schon in ihrer Empfängnis geschenkt hat, die volle Gemeinschaft mit ihm, ist uns geschenkt worden durch unsere Taufe und vertieft worden in unserer Firmung.
Gott selbst befreit uns von unserer Neigung uns abzukapseln und allein unser Glück zu schmieden.
In der Sprache unserer Tradition heißt das: Die Taufe befreit uns von der Erbsünde! Das Vertrauen in Gott hält unsere Gemeinschaft mit ihm lebendig.
Es gilt für Maria und für uns, die Zusage Gottes:
Du bist mein geliebtes Kind!
Darum wollen wir uns jetzt dankbar an unser Getauftsein erinnern. AMEN!