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Was habe ich zu verkündigen?

Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis A
Elfriede Demml

"Geht und verkündet: das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben." (Mt 10,7f)

Falls sich bei diesem Auftrag, den Jesus heute an uns hat, jemand von euch schon innerlich zurückgelehnt hat und sich gedacht hat, das ist nur etwas für Freaks, für besonders Auserwählte Menschen, oder eben die zwölf Apostel, muss ich euch leider enttäuschen. Die zwölf Apostel stehen stellvertretend da für die 12 Stämme Israels. Für das ganze Volk Gottes. Also auch für uns. Aber die gute Nachricht ist, ich glaube, Jesus erwartet keine spektakulären Heilungen auf der Straße oder ähnliches von uns. Ich glaube, er fordert jeden und jede von uns auf, eine unspektakuläre, aber selbstverständliche Haltung einzunehmen, in der wir heilend und befreiend für andere da sind.

Wie kann das konkret aussehen?

Im Blick auf die heutigen Lesungen sind mir vier Schritte dahin aufgefallen:

1. Ich kann Gottes heilendes und befreiendes Wirken nur erfahrbar machen, wenn mir selber bewusst ist, was er an mir und in meinem Leben schon alles Wunderbares getan hat.

"Erinnert euch daran." Die ganze Bibel ist durchzogen von diesem Aufruf. Auch in der heutigen Lesung aus dem Buch Exodus wird Gott nicht müde sein Volk zu erinnern: erinnert euch daran, dass ich euch aus der Sklaverei und Unterdrückung in Ägypten befreit habe. Denkt daran, ich habe euch wie auf Adlers Flügeln herausgeführt und in Sicherheit gebracht. Welche anderen Götzen, welche anderen scheinbaren Sicherheiten haben euch jemals dauerhaft inneren Frieden und Freiheit geschenkt? Nur ich bin es, der euch wirklich frei macht. Erinnere dich immer wieder daran was ich dir in deinem Leben schon Gutes getan habe.

2. Wenn mir bewusst ist, was Gott mir schon alles geschenkt hat, dann ist es gut, es nicht für mich zu behalten.

Das ist zwar schon ein bisschen herausfordernder, als nur für mich allein über Gottes gute Taten nachzudenken, aber wir könnten es ja mal als Experiment für die nächste Woche ausprobieren: wenn wir jemandem begegnen, nicht einfach nur sagen "danke, mir geht es gut" oder über alles Mögliche jammern und schimpfen, sondern bewusst eine Sache erzählen, worüber ich mich heute schon sehr gefreut habe. So verkünden wir auf ganz unspektakuläre Weise, dass das Reich Gottes schon unter uns angebrochen ist.

3. Die Not der Menschen wahrnehmen und für sie eintreten.

Das kann in Demonstrationen für die Gleichberechtigung, egal welche Hautfarbe man hat, geschehen. Das kann in diözesan Partnerschaften geschehen. Das kann aber auch geschehen, indem wir uns zusammentun und für Menschen beten. Maria und ich nehmen uns z.b. einmal in der Woche eine halbe Stunde Zeit, um füreinander, aber auch für Menschen zu beten, von denen wir wissen, dass sie in schweren Situationen sind. Wir erzählen uns dann gegenseitig, was gerade unsere Anliegen sind und dann beten wir dafür. Man kann das natürlich auch alleine machen. Aber zu zweit oder in einer kleinen Gruppe hat das noch einmal eine ganz andere Kraft. Dazu kann ich euch nur ermutigen.

4. Es ist ein besonderes Geschenk, direkt mit den Menschen zu beten, die unter Not, Krankheit oder Unfreiheit leiden.

Es kostet zwar Überwindung, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Leute mit großer Dankbarkeit reagieren, wenn ich am Ende einer Begegnung frage, ob wir noch gemeinsam beten wollen. "Guter Gott, wir legen dir jetzt diese Situation hin. Du weißt, was N.N. gerade niederdrückt. Bitte segne sie. Schenke ihr dein Heil, deinen Frieden, deine Freude und deine Freiheit."

Ich glaube, mit diesen vier Schritten (sich bewusst werden, was Gott im eigenen Leben gutes gewirkt hat; davon erzählen; die Not anderer wahrnehmen und dafür eintreten; mit anderen in deren Anliegen beten) sind wir schon auf einem guten Weg, die Aufforderung Jesu ganz unspektakulär aber konsequent in die Tat umzusetzen: "Geht und verkündet: das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben."

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