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Inhalt:

Komm, Heiliger Geist!

Predigt am Pfingstsonntag
Elisabeth Fritzl

Veni Sancte Spiritus (GL 345,2) einige Male am Klavier gespielt bis nach „Pfarre Münzgraben“

Normalerweise predige ich am Pfingstsonntag musikalisch. Seit ca. 10 Jahren leite ich an diesem Sonntag eine Pfingstschola in der Pfarre Münzgraben.

Die Idee dahinter war, das Pfingstfest attraktiv zu gestalten und mit der Musik etwas vom Elan, von der Dynamik und Unruhe spürbar zu machen, die der Heilige Geist uns schenkt.

Aber was ist jetzt schon normal? Wir hören von „neuer Normalität“, manche wünschen sich die „alte Normalität“. Aber was ist Normalität? Der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher schreibt dazu in einem Artikel vom 14. Mai: „Normalität“ ist ja sowieso nur jener Zustand, bei dem man vergessen hat, wie unnormal er einmal war. Und das war jeder Zustand irgendwann einmal.“ Wie recht er doch hat! Der Begriff der Normalität begegnet uns in den unterschiedlichen Wissenschaften und beschreibt dort einen Zustand, den man nicht erklären muss. Spannend wird es dann, wenn jemand von der Norm abweicht. Wenn wir definieren, dass etwas nicht normal ist, dann ist das meist negativ gemeint. Das ist verständlich, denn mit Normalität kennen wir uns aus. Dennoch ist diese Klassifizierung auch gefährlich. Mir fallen die unterschiedlichen Reaktionen von trauernden Menschen ein. Die reichen von weinen, schreien, über verstummen bis hin zu lachen. Und all das gilt in der Trauerforschung als normal.

Der Heilige Geist ist für mich die Kraft Gottes, die mich aus meiner Normalität aufrütteln will. Er schenkt mir seine Gaben, die wir im Lied zum Gabenbereitung hören werden, er schenkt mir Früchte, über die sich unsere Ministrant/innen in den letzten Tagen Gedanken gemacht haben – die Videos finden Sie auf unserer Facebook-Seite. Was mich am Heiligen Geist noch fasziniert, haben wir in der Lesung gehört: es gibt verschiedenen Gnadengaben – ich sage Talente dazu – aber nur den einen Geist. In uns allen ist dieser Geist, den wir in der Taufe empfangen haben. Und dieser eine Geist befähigt und ermutigt uns, unsere je eigenen Talente einzusetzen und zu leben. Und zwar so zu leben, dass wir anderen nicht schaden, sondern nützen. Die vergangenen Wochen haben das spürbar werden lassen durch kleine Gesten der Aufmerksamkeit, durch das Denken an Menschen, durch den Kontakt zu ihnen. Als Kirche sind wir dieser eine Leib Christi, die nicht aus lauter Einzelkämpfer/innen bestehen kann – es braucht Teamgeist!

Ich glaube, dass der Heilige Geist in unserer Zeit oft leise daherkommt – also braucht es Aufmerksamkeit. Wenn ich mich öffnen kann und Vertrauen habe, kann ich es riskieren, mich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, wenn ich auch den Weg nicht kenne oder sich die Dinge und unsere Welt verändern.

Veni Sancte Spiritus (GL 345,2) einige Male am Klavier gespielt bis nach dem Amen

Das Schöne ist, dass das für jede/n von uns möglich ist und dass wir trotz aller Verschiedenheit gemeinsam im Geist beten können: Komm, Heiliger Geist! Amen.

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