Die Osterkerze in Christkönig
In meiner Kindheit feierten wir die Osternacht in unserer Pfarre auf eine ganz besondere Art. Mein Vater, der zu dieser Zeit noch als Hof und Hausmeister dort arbeitete, begann schon Tage davor am freien Platz hinter der Kirche alles für ein großes Osterfeuer herzurichten. Mit jedem Stück Holz, dass wir dazulegten, wuchs die Aufregung, endlich neben den knisternden Flammen stehen zu können und die dunklen Rauchwolken zu verfolgen, die über die Thujenhecke zu den angrenzenden Wohnhäusern wehte. Und als es dann so weit war und das Licht in die dunkle Kirche getragen wurde, erhellte es nicht nur optisch die Gesichter der Anwesenden.
Die große Osterkerze spielte für mich zu dieser Zeit noch eine Nebenrolle, da das kleine, schmale Kerzlein in meinen Händen eine viel wichtigere Funktion übernahm. Ich hatte einen winzigen Teil des mächtigen Feuers in meinen warmen Fingern, die im Laufe des langen Gottesdienstes das Wachs verformten und dem kostbaren Schatz in meiner Hand ein ganz persönliches Aussehen gaben. Vielleicht entstand aber schon damals diese Leidenschaft zu diesem Material, denn heute bin ich sehr stolz darauf, seit über zehn Jahren die Osterkerze für die Pfarre Christkönig gestalten zu dürfen. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, aber auch eine wunderbare Einstimmung auf das Fest der Auferstehung.
Esther Zimmermann